Neue Studie Gesundheitsgefahren durch den Klimawandel steigen

  • Immer mehr hitzegefährdete Personen sind extremen Temperaturen ausgesetzt: Im vergangenen Jahr waren es 18 Millionen mehr als noch 2016.
  • Die Erderwärmung führt einer neuen Studie zufolge auch dazu, dass immer mehr Arbeitsstunden hitzebedingt ausfallen.
  • Hinzu kommen weitere ökonomische Verluste: Im vergangenen Jahr führten extreme Wetterereignisse zu einem globalen Verlust von umgerechnet etwa 288 Milliarden Euro.

Der Klimawandel bedroht einer neuen Studie zufolge die Gesundheit von immer mehr Menschen. Demnach waren im vergangenen Jahr 18 Millionen gefährdete Personen mehr Hitzewellen ausgesetzt als noch 2016. Im Vergleich zum Jahr 2000 waren es sogar 157 Millionen mehr. Der internationale Report, der im Fachmagazin The Lancet erschienen ist, führt die Arbeit von mehr als 20 wissenschaftlichen Institutionen und UN-Abteilungen zum Thema Klimawandel zusammen.

Als hitzegefährdet gelten in diesem Zusammenhang Menschen, die über 65 Jahre alt sind, in Städten leben oder an Diabetes, einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder chronischen Atemwegsproblemen leiden. Dem Klimawandel sind den Autoren zufolge auch deshalb besonders viele Menschen stark ausgesetzt, weil die Temperaturen in dichter besiedelten Regionen besonders stark steigen: um 0,8 Grad Celsius von 1986 bis 2017. Im gleichen Zeitraum stieg die weltweite Durchschnittstemperatur lediglich um 0,3 Grad Celsius. Die Forscher erwarten auch eine Ausbreitung tropischer Krankheiten.

Klimawandel CO2-Ausstoß so hoch wie nie
Klima-Report

CO2-Ausstoß so hoch wie nie

Drei Jahre stagnierten die globalen Emissionen. 2017 sind sie wieder gestiegen - auf einen neuen Rekordwert.   Von Michael Bauchmüller

Die Hitze geht oft einher mit der Luftverschmutzung in den Städten. 97 Prozent der untersuchten Städte in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommensniveau erfüllen die Luftqualitätsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht.

Verluste durch Wetterextreme fast verdreifacht

Die Erwärmung führt auch dazu, dass immer mehr Arbeitsstunden hitzebedingt ausfallen. 2017 waren es 153 Milliarden Stunden weltweit, 62 Milliarden mehr als im Jahr 2000. Hinzu kommen weitere ökonomische Verluste: Im vergangenen Jahr führten 712 extreme Wetterereignisse zu einem globalen Verlust von 326 Milliarden US-Dollar (etwa 288 Milliarden Euro), fast das Dreifache der Summe von 2016.

"Die heutigen Veränderungen der Hitzewellen und des Arbeitsvermögens warnen frühzeitig vor den verstärkten und überwältigenden Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, die zu erwarten sind, wenn die Temperaturen weiter steigen", wird Hilary Graham von der englischen University of York in einer Lancet-Mitteilung zitiert.

Doch es gebe auch Lichtblicke, schreiben die Autoren. So sei der weltweite Kohleverbrauch seit 2013 gesunken. Die Leistung der 2017 errichteten Kraftwerke teilt sich in 157 Gigawatt aus erneuerbaren Energien und 70 Gigawatt aus fossilen Brennstoffen auf. "Aufregende Trends in Schlüsselbereichen für die Gesundheit, darunter der Ausstieg aus der Kohle, der Einsatz gesünderer, sauberer Verkehrsträger und die Anpassung des Gesundheitssystems, rechtfertigen einen vorsichtigen Optimismus", schreiben die Forscher.

Für das Projekt "The Lancet Countdown: Tracking Progress on Health and Climate Change" haben sich unter anderem die Vereinten Nationen und 27 führende Forschungseinrichtungen zusammengetan. Das Projekt beruht auf dem Fachwissen von Klimawissenschaftlern, Medizinern, Ökologen, Mathematikern, Geografen, Ingenieuren, Energie-, Lebensmittel-, Vieh- und Verkehrsexperten, Ökonomen, Sozial- und Politikwissenschaftlern sowie Angehörigen von Gesundheitsbehörden.

Wirtschafts- und Finanzpolitik Sprit muss teurer werden

Klimaschutz

Sprit muss teurer werden

Emmanuel Macron beweist einen Mut, den die deutsche Bundesregierung nicht aufbringt: Wer das Klima ernsthaft schützen will, kommt um weitere Preisaufschläge auf fossile Energie nicht herum.   Kommentar von Michael Bauchmüller