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Klimawandel:Die Erde nähert sich der 1,5-Grad-Grenze

"Für uns ist das alles keine Überraschung, das setzt nur den langfristigen Trend fort", sagt der Klimaforscher Mojib Latif vom Geomar in Kiel über all die Schreckensmeldungen der vergangenen Monate. "Korallen können die Erwärmung bis zu einer gewissen Temperatur abfedern, aber irgendwann schaffen sie es nicht mehr, und dann geht es rasend schnell." Und so ist das nicht nur bei Korallen.

Aus wissenschaftlicher Sicht muss man sich nicht wundern, wenn sich die spürbaren und dauerhaften Folgen des Klimawandels zu häufen beginnen. Schließlich wurde das 1,5-Grad-Ziel nicht einfach so ins Paris-Abkommen aufgenommen: "Das ist der Punkt, an dem die Wahrscheinlichkeit sprunghaft zunimmt, dass unumkehrbare Ereignisse einsetzen", sagt Latif. "Von dieser Temperatur sind wir jetzt nicht mehr sehr weit entfernt." Um rund ein Grad hat sich die Erde im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bereits erwärmt. Im jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC über das 1,5-Grad-Ziel ist diese Erwärmung der Bereich, in dem die Risiken für bedrohte Ökosysteme und Extremwetterereignisse bereits steigen.

Jenseits der 1,5 Grad werden dann auch weltweite, schwere Schäden und der Kollaps großer Eisschilde wahrscheinlicher. Diese Temperatur wird laut den Prognosen wohl so oder so um 2040 erreicht. Wenn die Emissionen auf wundersame Weise sofort radikal verringert würden, könnte die Erwärmung danach stagnieren. Andernfalls geht es weiter nach oben. Demnach ist das, was derzeit zu beobachten ist - einschließlich dem Dürre- und Hitze-Sommer 2018 in Deutschland - schlicht das "neue Normal". Was jedoch nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu neuen Extremen sein dürfte. Wie genau diese aussehen, liegt noch in der Hand der Klimapolitik. Bislang steigen die Emissionen trotz aller Versprechungen weiter.

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Meteorologie

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Der Zyklon "Idai" erreichte zwar kein Spitzentempo, war aber der stärkste Sturm der vergangenen zehn Jahre.   Von Tobias Kühn

Johan Rockström ist Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und weltweit bekannt für seine Arbeiten über die natürlichen Stabilitätsgrenzen des Planeten. Auch er sagt: "Die 1,5 Grad sind nicht nur eine Zahl, das ist eine Grenze." Was passiert, wenn man sich so einer Grenze annähert, kann man heute beobachten; auch für Rockström ist das beunruhigend. Anders als Latif sieht er die Realität eher am Rande der Prognosen. "In den vergangenen 15 Jahren waren die Veränderungen etwas schneller als vorhergesagt. Korallenriffe, die Eisdecke von Grönland oder der Thwaites-Gletscher in der Westantarktis könnten noch empfindlicher sein, als wir dachten", sagt er. Zwar haben Forscher vor allen diesen Risiken lange gewarnt. Aber vielleicht werde die Schwelle, von der an sich der Wandel beschleunigt, noch früher als angenommen erreicht.

Zuletzt war die CO₂-Konzentration im Pliozän so hoch wie heute. Der Meeresspiegel war damals 15 Meter höher

Inzwischen ist die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre so hoch wie zuletzt vor rund drei Millionen Jahren, im Pliozän. Wie anders jedoch damals die Erde und das Klima aussahen, haben Forscher in der vergangenen Woche auf einer Tagung der Royal Meteorological Society in London berichtet: im Schnitt zwei bis vier Grad wärmeres Klima als heute - 14 Grad mehr in der Arktis -, 15 Meter höherer Meeresspiegel, Grönland vermutlich eisfrei, und wie Fossilien zeigen: Bäume in der Antarktis.

Ist das die Zukunft des Planeten? Vielleicht. "Es ist eine Frage der Zeitskala", sagt Alan Haywood, Paläoklimatologe von der University of Leeds und einer der Redner in London. "Manche Komponenten des Erdsystems, wie die Oberflächentemperatur, reagieren sehr schnell auf CO₂. Andere antworten sehr langsam, etwa Eisschilde, Vegetation oder der tiefe Ozean." Aber auch diese beginnen jetzt, zu reagieren: Die arktische Eisdecke geht rasant zurück, Grönlands Gletscher schrumpfen, selbst die Antarktis verändert sich.

Diese langfristigen Prozesse verstärken die Klimaveränderung, etwa weil eisfreie Regionen viel mehr Wärme absorbieren. Wenn die CO₂-Konzentration lange genug so hoch bleibt wie heute, kommt am Ende das warme Pliozän-Klima heraus. Das heißt: Selbst wenn das Wunder gelingt, die Erwärmung in diesem Jahrhundert unter 1,5 Grad zu halten, könnte es sein, dass die Erde sich danach weiter erwärmt. Um das zu verhindern, müsste man der Atmosphäre womöglich viel CO₂ entziehen.

Der Übergang in die nächste Klima-Etappe hat schon begonnen. Das ist kaum noch zu übersehen, auch am Great Barrier Reef. "Es ist nichts, was vielleicht in Zukunft passieren könnte. Es passiert genau jetzt", sagt Korallenforscher Terry Hughes.

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