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Klimawandel:Ausgedörrte Böden verstärken die Hitze, weil die kühlende Verdunstung fehlt

Wie Sonia Seneviratne vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich sagt, würden Trockenheit und Hitzewellen oft Hand in Hand gehen. Je wärmer es ist, desto schneller trocknet der Boden aus. Andererseits gilt: Je trockener es ist, desto weniger kühlende Verdunstungskälte entsteht. "Daher sind trockene Böden ein wichtiger, verstärkender Faktor für extreme Hitzewellen", sagt Seneviratne.

Die Menschheit ist der künftigen Dürre aber nicht hilflos ausgeliefert. Einerseits würden die Landwirte laut Thober nicht tatenlos zusehen, sondern sich anpassen, indem sie zum Beispiel trockenheitsresistentere Sorten verwenden. Auch technische Anpassungen können die Auswirkungen von Dürren mindern, wobei diese oft kostspielig sind. So sinkt der Niederschlag in Mitteleuropa vorwiegend im Sommer. Über das Jahr gerechnet ändert sich in der Summe nicht viel. "Man kann also darüber nachdenken, wie man es mit technischen Mitteln schafft, dass der eigentlich reichliche Niederschlag auch im Sommer im Boden zur Verfügung steht", sagt Thober.

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Laut Erich Fischer vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich sind Dürren aufgrund der Wechselwirkung zwischen Boden, Vegetation und Atmosphäre sehr komplex. Der Fachartikel in Nature Climate Change liefere zwar keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse, gebe aber ein gutes Update zum landwirtschaftlichen Dürrerisiko in Europa.

Ähnlich äußert sich Adriaan Teuling von der Universität Wageningen in den Niederlanden in einem kommentierenden Artikel in Nature Climate Change. Bislang ließen sich Dürren gemäß Teuling aus Mangel an geeigneten Methoden und wegen fehlender Rechenleistung nur bedingt mit Modellen erfassen. Mit einer enorm aufwendigen Modellrechnung hätten die Wissenschaftler diesen Mangel mit der aktuellen Studie behoben, schreibt er sinngemäß.

Nach wie vor bestünden jedoch gewisse Unsicherheiten. So könnten Klimamodelle für Europa den künftigen Rückgang des Niederschlags erheblich unterschätzen. Auch könnten sich Anpassungsmaßnahmen als komplizierter herausstellen als in der Studie angenommen. Und schließlich könne die durch Hitze und Trockenheit verursachte Verdunstung je nach Vegetation in einer betroffenen Region anders ausfallen. Wie genau, sei derzeit noch kaum bekannt.

Dürre

Dürre ist nicht gleich Dürre. In der Fachdiskussion werden meist drei Varianten differenziert, die miteinander verknüpft sind, aber unterschiedliche Ausprägungen des Phänomens darstellen. Das ist erstens die meteorologische Dürre. Damit ist schlicht eine Armut an Niederschlag gemeint. Zweitens gibt es die hydrologische Dürre, also den fehlenden Abfluss in Flüssen. Er ist relevant für Laufwasserkraftwerke und für die Kühlwasserentnahme bei Atomkraftwerken. Die dritte Variante ist die landwirtschaftliche Dürre. Dabei handelt es sich um die Bodentrockenheit, die sich aufgrund hoher Verdunstung und andauernder Niederschlagsarmut einstellt. Die Bodentrockenheit kann sich auf das Wachstum der Vegetation und somit auf den landwirtschaftlichen Ernteertrag auswirken. SZ

Laut Seneviratne ist die Studie insgesamt aber sehr robust. "Wie man sieht, ist das Dürrerisiko derzeit noch gering im Vergleich zu dem, was bei einer Erwärmung um 1,5 Grad, zwei Grad oder gar drei Grad zu erwarten ist", sagt die Klimaforscherin. Das Pariser Klimaabkommen habe zum Ziel, die globale Erwärmung auf unter zwei, wenn möglich sogar auf unter 1,5 Grad zu limitieren. "Allerdings würden die Versprechen der am Paris-Abkommen beteiligten Länder zu einer Erwärmung von rund drei Grad führen. Das würde zu einem erheblich größeren Dürrerisiko führen, als wir es heute haben."

Wenn die Menschheit nur eine Erwärmung um 1,5 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit zulässt, hätte das gemäß der Studie weniger dramatische Folgen. Statt um 26 Prozent wie bei drei Grad würde die von Dürre betroffene Fläche in Europa bei einer Erwärmung um 1,5 Grad nur um 19 Prozent zunehmen. Die Dauer der Dürren würde bei 1,5 Grad um einen Faktor zwei bis drei geringer ausfallen als bei drei Grad. Auch wären weniger zusätzliche Menschen von extremen Dürren betroffen, nämlich 120 Millionen statt 170 Millionen. "Das zeigt sehr anschaulich, was Klimaschutz bewirken kann", sagt Studienautor Thober.

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