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Klimawandel:Auch in der CDU leugnen manche die Existenz des Klimawandels

Szenenwechsel, Baden-Württemberg 2015. Der einstige Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz ist vom Verein "Mensch und Natur" geladen und tritt vor Gleichgesinnten ans Podium: "Ich bin entsetzt über die, die uns regieren, die schlimmsten sind aber die Grünen." Zustimmendes Murmeln im Publikum. In seiner Rede teilt der adlige Waldbesitzer und Vater des Ex-Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg aus: "Kann denn Ökostrom tatsächlich über gerodete Wälder, über Vogel- und Fledermausmord und über die Zerstörung ganzer ökologischer Kreisläufe gewonnen werden?"

Für den Umwelthistoriker Franke ein typisches Beispiel für den Konflikt zwischen Umwelt- und Naturschutz. Denn Enoch zu Guttenberg trat 2012 öffentlichkeitswirksam aus dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) aus, der die Energiewende befürwortet. Der Waldbesitzer wehrt sich seit Jahren gegen die Windkraft, weil dadurch ganze Landschaften zerstört und Tiere getötet würden. "Die gegenseitige Abneigung von Umwelt- und Naturschützern ist groß und geht tief - mit der Energiewende brechen diese Unterschiede wieder auf", sagt Beate Küpper.

Zurück ins brandenburgische Kremmen: Udo Heunemann ist nicht nur Naturschützer und Windkraftgegner, sondern auch bei den Freien Wählern aktiv. Auf deren Seite finden sich ausführliche Berichte über "hochaktuelle wissenschaftliche Vorträge", "die einige der gängigen Theorien in Frage stellen". Parallel zur Weltklimakonferenz in Marrakesch im vergangenen November besuchten die Freien Wähler eine Konferenz der Klimaskeptiker, organisiert von EIKE. Eigentlich sind die Freien Wähler gar nicht rechts. Die "Energieneger" sind Heunemann eben so rausgerutscht, sagte er darauf angesprochen.

Doch die Mixtur aus Energiewende-Hass und nationalistischem Gebaren gibt es auch bei der CDU: Der "Berliner Kreis in der Union" sorgte kürzlich für Aufsehen, als er den menschengemachten Treibhauseffekt in Zweifel zog und sich gegen die Förderung von Solar- und Windkraft aussprach. Für Rechtsextremismus-Expertin Beate Küpper kein Zufall: "Der gleiche Kreis machte bisher auch Front gegen die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin und jüngst auch gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und fiel mit Positionen zu Lasten von praktizierenden Muslimen und Initiativen zur Inneren Sicherheit auf."

Auch Ulrich Müller von Lobbycontrol verortet die Klimaschutz-Skeptiker im rechten Spektrum: "In der Gegnerschaft gegen den Klimaschutz überschneiden sich Marktradikale, Rechtspopulisten und Vertreter der fossilen Lobbys", sagt Müller. Das gelte auch außerhalb von Deutschland, besonders in den USA: So hätten Vertreter des rechten Trump-Flügels auf den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen hingearbeitet. Zugleich sei dies von Marktradikalen wie den "Koch-Brüdern" Charles und David Koch unterstützt worden. "Die Koch Industries haben ein starkes Standbein in der Ölindustrie, und der politische Arm des Koch-Netzwerks, die Organisation Americans for Prosperity, unterstützte etwa einen Aufruf gegen das Klimaabkommen", sagt Müller.

Im Gegensatz zu den USA seien die Verbindungen hierzulande weniger offensichtlich, da die Datenlage laut Lobbycontrol-Analyst Müller nicht ausreichend sei. Beate Küpper vermutet, dass einige AfD-Landesverbände die Nähe zu lokalen Bürgerinitiativen suchten und sich die alte Feindschaft zwischen Natur- und Umweltschutz zunutze machten. "Der Schutz von Vögeln und Fledermäusen wird gegen Windkrafträder in Stellung gebracht, im Wahlprogramm wird an der Atomenergie festgehalten." Und Eva Eichenauer vom PIK warnt: "Selbst wenn die AfD in der Bundestagswahl weniger Stimmen bekommt als zuerst befürchtet, ist das Problem noch nicht vom Tisch." Am Zulauf zu rechten Parteien seien auch die Versäumnisse lokaler Politik schuld, glaubt die Soziologin. "Man muss die Menschen vor Ort besser einbeziehen, damit sie nicht das Gefühl haben, dass man über ihre Köpfe hinwegregiert."

© SZ vom 11.09.2017

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