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Klimaforscher:Zwei schwere Vorwürfe

Dem widerspricht nun das unabhängige Untersuchungskomitee unter Sir Muir Russell. Die Universität hatte es berufen; sein Bericht über die E-Mails und die Anhörung von Zeugen wurde am Mittwoch veröffentlicht.

Die fünf Mitglieder verteidigen den Ruf der Wissenschaftler um den ehemaligen CRU-Chef Phil Jones in klaren Worten: An ihrer Aufrichtigkeit und Disziplin gebe es keinen Zweifel, nichts deute darauf hin, dass sie voreingenommen waren, irreführende Analysen gemacht hätten oder abweichende Meinungen unter Missbrauch ihrer Stellung unterdrückt hätten. Ihr Verhalten habe weder das Spektrum der wissenschaftlichen Beratung für Politiker verfälscht noch die Schlussfolgerungen des IPCC untergraben.

Aber die fünf Mitglieder des Russell-Komitees erheben unter den 15 Schlussfolgerungen ihres Berichts auch zwei schwere Vorwürfe. Erstens sei eine wichtige Grafik aus dem Jahr 1999 "irreführend" gewesen - eben jener "Hockeyschläger", der dann im IPCC-Bericht 2001 eine wichtige Rolle spielte.

Die Forscher hatten beim Anfertigen der Grafik einige Probleme, die rekonstruierten Daten der Vergangenheit mit tatsächlichen Messungen zu verbinden. In einer der E-Mails hieß es darum, sie hätten einen "Trick" verwendet. Jones und andere haben das Wort seither als "Kniff" übersetzt, ihre Kritiker aber nahmen es als Beweis einer Fälschung.

Die Russell-Kommission sieht nun zwar keinen Anhaltspunkt für eine Manipulation der Daten, mahnt aber, Jones und seine Kollegen hätten die Bearbeitung der Daten für die Grafik explizit deutlich machen müssen.

Der zweite Vorwurf: Jones und seine Mitarbeiter sowie die Verantwortlichen in der Universitätsleitung hätten ein "beständiges Muster" gezeigt, nicht das "angemessene Maß an Offenheit" gegenüber Kritikern ihrer Arbeit zu demonstrieren. Auf legitime Anfragen nach Rohdaten hätten die Forscher und Verwaltungsangestellten hinhaltend und abwehrend reagiert. Das habe die ganze Arbeit der Gruppe, ja der gesamten britischen Klimaforschung in Verruf bringen können.

Damit ähneln die Schlussfolgerungen der Russell-Kommission auffallend dem Urteil, das der Wissenschafts-Ausschuss des britischen Parlaments im März gefällt hatte. Er nannte die Vorwürfe der Datenmanipulation im März "eindeutig widerlegt", rügte aber den Umgang der Forscher um Phil Jones mit Kritikern.

In der CRU habe eine "Kultur der Geheimhaltung" geherrscht, die die Abgeordneten "unakzeptabel" fand. Danach hatte im April eine Kommission, die die Hochschule und die britische Royal Society berufen hatten, die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit an der CRU begutachtet. Sie bescheinigte den Mitarbeitern, ihre "Wissenschaft offenbar ordentlich und genau gemacht" zu haben. Allerdings seien vor allem die benutzten statistischen Verfahren zwar nicht falsch, aber auch nicht optimal für die Aufgabe geeignet gewesen.

Über die Arbeit des amerikanischen Forschers Michael Mann von der Pennsylvania State University hatte derweil ein Komitee seiner Hochschule beraten; er ist neben Jones als Hauptautor der Hockeyschläger-Kurve die zweite Hauptfigur der Kritik.

Fünf seiner Professoren-Kollegen aus anderen Fachbereichen waren beauftragt worden, die Vorwürfe zu untersuchen, Mann habe sich des wissenschaftlichen Fehlverhaltens schuldig gemacht. Davon sprach ihn das Komitee am 1. Juli frei. Schon im März hatte die Universität Anschuldigungen für gegenstandslos erklärt, Mann habe missliebige Daten unterdrückt oder verräterische E-Mails gelöscht.