Vögel:Glanzlos in die Klimakrise

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Vögel: Je kräftiger das Gefieder von Blaumeisen leuchtet, umso besser sind ihre Chancen, Nachwuchs zu bekommen.

Je kräftiger das Gefieder von Blaumeisen leuchtet, umso besser sind ihre Chancen, Nachwuchs zu bekommen.

(Foto: Thomas Krumenacker)

Das Gefieder von Blaumeisen verliert infolge des Klimawandels an Farbenpracht. Das könnte mehr als nur ein optisches Problem sein.

Von Thomas Krumenacker

Der Klimawandel lässt nicht nur Wiesen ausbleichen und Gärten verdorren. Auch die Farbenpracht von Vögeln verblasst offenbar als Folge der zunehmenden Erderwärmung. Zu diesem Ergebnis kommen Biologen der Universität des Baskenlandes und des französischen Zentrums für Evolutionsforschung (CEFE) in einer Langzeitstudie mit Blaumeisen in Südfrankreich, die nun im Fachjournal The American Naturalist erschienen ist.

Auf die Spur kamen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dem Phänomen durch Langzeitbeobachtungen an zwei Meisenpopulationen in Frankreich. Über 15 Jahre hinweg kontrollierten Doktoranden hunderte brütende Vögel in einem Wald nahe Montpellier sowie auf der Insel Korsika. Um die Entwicklung der Gefiederfärbung über Jahre hinweg vergleichen zu können, fingen die Forscher immer zur selben Zeit im Frühjahr alle erwachsenen Vögel ein, wenn diese gerade Junge in ihren Nistkästen versorgten. Dadurch stellten die Biologen sicher, dass die natürliche Ausbleichung der Federn, die sie untersuchen wollten, in jedem Jahr gleich war. Jedem Tier wurden einige der charakteristischen blauen Federn des Kopf- und der gelben Federn des Brustgefieders ausgezupft, um dann im Labor ihre Farbintensität zu vermessen.

Die Analyse der fast 6000 Gefiederproben ergab einen klaren Befund: Die blauen Kämme und gelblichen Brüste der Blaumeisen sind heute deutlich matter und weniger farbenfroh als zu Beginn der Untersuchung. Im Mittel nahm die Leuchtkraft vor allem der Korsika-Meisen um mehr als 15 Prozent ab. "Die Veränderung der Gefiederfarbe scheint das Ergebnis einer Kombination aus einem Temperaturanstieg von 1,2 Grad und einem Rückgang der Niederschläge zu sein, so dass wir den Klimawandel als wahrscheinliche Ursache sehen", sagt der Leiter der Studie, David López-Idiáquez.

Angesichts der Ergebnisse der französischen Forscher könnte auch einen genauerer Blick auf die Meisen an Futterhäusern und in Gärten andernorts in Europa lohnenswert sein. Denn die Temperaturen sind dort in einer ähnlichen Größenordnung angestiegen. In Deutschland etwa war es in der 2020 abgeschlossenen 30-jährigen Referenzperiode nach Zahlen des Deutschen Wetterdienstes um 1,1 Grad wärmer als im vorangegangenen 30-Jahreszeitraum. Allerdings blieb die Niederschlagsmenge über den langen Zeitraum annähernd konstant.

Wenn das Gefieder von Männchen verblasst, können Weibchen womöglich nicht mehr den Fortpflanzungserfolg einschätzen

Auch wenn das durchweg blassere Federkleid der Meisen für Menschen beim flüchtigen Betrachten kaum wahrnehmbar sein dürfte, könnte es für die Vögel mehr als eine optische Petitesse darstellen. Denn einzelnen Farbmerkmalen im Gefieder - im ornithologischen Fachjargon als Ornamente bezeichnet - kommt eine wichtige biologische Signalfunktion zu. Ein prächtig schimmerndes Blaumeisen-Männchen signalisiert einem Weibchen, dass es sich bei ihm auf einen gesunden, durchsetzungsstarken Partner einlässt, der größtmöglichen Erfolg bei der Jungenaufzucht verspricht. Und die Aussicht auf Reproduktionserfolg ist in der Natur das wichtigste Kriterium für Partnerschafts-Entscheidungen.

"Unsere Ergebnisse können auf eine Abnahme des Signal-Potenzials der Farbornamente hindeuten", sagt López-Idiáquez. Wenn aber die Varianz und damit die Signalstärke unter den Männchen nicht groß genug ist, können die Weibchen nicht zwischen "hochwertigen" Männchen und solchen unterscheiden, die nur einen geringen Fortpflanzungserfolg versprechen.

Die Folgen dieses "Signalausfalls" könnten höhere Brutausfälle ganzer Populationen sein. Für möglicherweise ebenfalls von der Verblassung betroffenen selteneren Arten könnte sich das als weitere Bedrohung für den Fortbestand ganzer Populationen erweisen.

Wie wichtig Ornamente für die visuelle Kommunikation von Vögeln sind, zeigen auch Forschungsergebnisse aus den USA. Dort fanden Wissenschaftler heraus, dass Blässhühner bei der Fütterung ihres Nachwuchses die Jungvögel bevorzugten, die besonders kräftige rote Gefiederpartien hatten. Innerhalb eines Geleges waren es später geschlüpfte Küken, die stärker rot gefärbt waren als ihre früher geschlüpften Geschwister. Im direkten Vergleich erhielten die röteren Küken eine Vorzugsbehandlung und mehr Futterportionen von den Eltern. Die Forscher werten das als Hinweis darauf, dass die Ornamentierung der Jungvögel den Eltern anzeigt, welche Küken am meisten von zusätzlicher Pflege und Ernährung profitieren würden.

Über welche physiologischen Prozesse der Klimawandel die Ornamentierung des Gefieders von Vögeln beeinflusst, ist noch nicht geklärt. Als möglicher Mechanismus wird ein schlechteres Nahrungsangebot während heißer und trockener Sommer vermutet. Angesichts eines Rekordsommers nach dem anderen könnte das bedeuten, dass der Trend weiter anhält. Auch die Autoren stimmen in ihrer Arbeit auf eine insgesamt weniger farbenfrohe Zukunft ein. Es deute einiges darauf hin, "dass ornamentale Färbungen aufgrund der Erwärmung weniger auffällig werden könnten", schreiben sie.

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