Klimaskeptiker-Konferenz "Ich bin es gewohnt, dass mich Leute für irr halten"

Doch das Physikerteam, das sich den Namen Berkeley Earth Surface Temperature gab, kam zu dem Schluss: Die Erdoberfläche hat sich in den vergangenen 50 Jahren um 0,911 Grad Celsius erwärmt, was nahezu exakt mit den Ergebnissen vorangegangener Analysen übereinstimmt. Diese erst einen Monat alte Erkenntnis fand keine Erwähnung in der Skeptiker-Versammlung. Für fachliche Objektivität spricht das nicht.

Ebenfalls unbeeindruckt von konkurrierenden Erkenntnissen präsentierten drei Physiker Alternativen für die CO2-dominierten Klimamodelle. Der Slowake Jan Veizer hält den CO2-Haushalt der Erdatmosphäre für unbeeinflussbar. Das vermeintliche Klimagas folge schlicht dem weitaus dominanteren Wasserdampfkreislauf, sagt Veizer.

Einen direkten Zusammenhang zwischen kosmischer Strahlung und dem Wettergeschehen sieht hingegen der israelische Astrophysiker Nir Shaviv. Seiner Theorie zufolge schwankt das Erdklima je nachdem, ob die Erde gerade einen Spiralarm der Milchstraße durchquert. Dann prasseln mehr hochenergetische Partikel aus dem All in die Atmosphäre und fördern die Wolkenbildung. Physikalisch ist das eine interessante Deutung.

Allerdings ist sie bereits widerlegt. Die globale Erwärmung der vergangenen 100 Jahre zeigt keine Übereinstimmung mit Schwankungen der kosmischen Strahlung. Das stört Shaviv nicht: "Ich bin es gewohnt, dass mich Leute für irr halten."

Dass kosmische Partikel in der Tat wie Wolkenkeime wirken können, darüber freut sich der dänische Physiker Henrik Svensmark. Diesen Mechanismus untersucht er seit Jahren, und nun haben Teilchenphysiker am CERN mit einem künstlichen Partikelstrahl und einer riesigen Atmosphärenluftkammer tatsächlich nachgewiesen, dass schnelle Teilchen winzige Wolkenkeime herstellen.

Doch verschweigt Svensmark vor den Klimawandelskeptikern eine entscheidende Information: Dieser Mechanismus könne allenfalls einen Bruchteil der Wolkenkeime erklären, die man auf der Erde beobachtet, sagen die CERN-Physiker.

An derlei Kritik oder Diskussionsstoff war auf der Skeptiker-Konferenz niemand interessiert. Auch störte sich kaum jemand an den Widersprüchen, die sich aus den Referaten selbst ergaben. Da wurde einerseits die Erderwärmung bestritten, andere Redner hingegen lieferten Theorien darüber, was die Erwärmung statt des menschengemachten Kohlendioxids antreiben könnte. Und der eingangs genannte Wetterguru Piers Corbyn nannte die Thesen seines Vorredners Nir Shaviv nebenbei "geisteskrank".

Unter Skeptikern ist es offenbar egal, welche These man bekämpft. Die von der Erderwärmung generell. Oder die von der CO2-betriebenen Erwärmung. Oder die von der Erwärmung durch menschengemachtes CO2. Egal. Hauptsache dagegen.