Klimaschutz "Verzicht muss nicht sein"

Manche Gewohnheiten sollte der Mensch für das Klima ändern, sagt Jochen Flasbarth, neuer Chef des Umweltbundesamtes. Doch die Lebensqualität müsse nicht leiden.

Interview: Michael Bauchmüller

SZ: Herr Flasbarth, Sie kommen gerade vom Bahnhof. Haben Sie Ihr Auto abgeschafft?

Jochen Flasbarth, der neue Chef des Umweltbundesamtes.

(Foto: Foto: dpa)

Flasbarth: Nein, habe ich nicht. Und ich rede auch nicht drum herum: Durch meinen Beruf muss ich vor allem international viel fliegen. Aber nach Möglichkeit nehme ich die Bahn.

SZ: Derzeit stellen sich viele die Frage, ob sich unser Lebensstil noch mit dem Klimaschutz verträgt. Wie viel kann denn eigentlich der Einzelne tun?

Flasbarth: Eine ganze Menge. Wer ein Haus besitzt, kann durch Gebäudedämmung viel Energie einsparen. Mieter haben es da etwas schwerer, die können zwar eine energetische Sanierung einfordern, haben aber im Regelfall keinen Anspruch darauf. Wer umzieht oder Eigentum kauft, sollte sich den Energieausweis von Haus oder Wohnung zeigen lassen. Und natürlich kann jeder durch vernünftiges Heizen etwas tun. Im Verkehr reden wir gern über Bahn und Flugzeug, aber zu selten über kurze Strecken. Ein ganz erheblicher Anteil liegt unter fünf Kilometern. Da kann man auch mal zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren.

SZ: Darf man noch in die Ferne reisen?

Flasbarth: Ich würde es anders ausdrücken: Wenn man eine Fernreise nicht unternimmt, ist das ein Beitrag zum Klimaschutz. Wenn man sie dennoch unternimmt, finde ich es richtig, den Klimaeffekt zu kompensieren. Dafür gibt es inzwischen glaubwürdige Anbieter.

SZ: Das Flugzeug fliegt trotzdem.

Flasbarth: Stimmt, aber wenn der Staat anfängt, Leuten den Urlaubsflug abzusprechen, ruft das allergische Reaktionen hervor. Man kann aber fragen, ob eine Fernreise jedes Jahr nötig ist.

SZ: Oft ist ein Flug billiger als die Bahnfahrt, der Apfel aus Übersee kostet mitunter weniger als der vom Bodensee. Ist klimaschädliches Verhalten zu billig?

Flasbarth: Ja, aber das können wir sinnvoll nur international abgestimmt ändern. Seit Jahren gibt es die Debatte über die Kerosinsteuer. Sie würde Transportkosten in eine andere Relation setzen, auch die von Gütern, ist aber international nicht durchsetzbar. Die EU macht es deshalb richtig, indem sie ab 2012 den Flugverkehr in den Emissionshandel einbezieht. Und zwar für alle Flugzeuge, die hier starten und landen.

SZ: Müssen wir uns von Konsum, vom Wegwerfen verabschieden?

Flasbarth: Bisher reden wir nur über Energie und Energiesparen. Aber das steht bei den Rohstoffen genauso an. Die Wegwerfgesellschaft sollte schon lange Vergangenheit sein. Ob das am Ende ein Verzicht wird? Ich glaube nicht.

SZ: Warum?

Flasbarth: Weil es oft nur eine Änderung von Gewohnheiten ist. Wir haben das beim Verbot der Glühbirne erlebt: Das ist ein Wandel, den unsere Gesellschaft ertragen muss und kann. Und die Energiesparlampe wird ganz gewiss kein Verlust an Lebensqualität sein.

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