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Klimaschutz:Fünf Tonnen Kohlendioxid für jeden

Deutsche Forscher fordern ein weltweites Limit für die Pro-Kopf-Emission von Kohlendioxid. Länder, in denen die Bevölkerung mehr ausstößt, sollen zahlen.

Die Klimaschutz-Konferenz in Kopenhagen war ein Misserfolg - da sind sich die meisten Fachleute einig. Aber auf ein Ziel hatten sich die Teilnehmer immerhin geeinigt:

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Deutsche Forscher warnen vor einem Anstieg der globalen Temperatur um etwa 3,5 Grad.

(Foto: Foto: Getty Images)

Die globale Erwärmung soll in diesem Jahrhundert zwei Grad nicht überschreiten. Doch selbst wenn sich die beteiligten Staaten an ihre nicht verbindlichen Selbstverpflichtungen beim Klimaschutz halten würden, sei mit einem Anstieg um etwa 3,5 Grad zu rechnen, warnen deutsche Forscher.

Und dies sei "verbunden mit bedeutenden langfristigen Risiken für Natur und Menschheit", schreiben die Experten vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in ihrem Report.

Um das Ziel von Kopenhagen tatsächlich zu erreichen, so stellen die Wissenschaftler fest, müssten die Emissionen weltweit bereits vor 2020 sinken. Und bis 2050 wäre eine Reduktion auf die Hälfte des Wertes von 1990 notwendig.

Angesichts der mangelnden Bereitschaft fast aller Länder, die entsprechenden Maßnahmen zu treffen, erscheint dieses Ziel unerreichbar.

Doch die Experten belassen es nicht bei ihrer Kritik. Sie haben auch Vorschläge, wie sich das Klimaschutzziel "Nicht mehr als zwei Grad" doch noch erreichen lässt.

"Das Schema Klimabasar hat in eine Sackgasse geführt"

So müsste die Grenze der Emission von Treibhausgasen nicht national, sondern global bestimmt werden. Die Einschränkungen sollten über ein sogenanntes Peak and Trade-Emissionshandelssystem umgesetzt werden. Und zwar "nach dem Verteilungsprinzip 'Ein Mensch, ein Emissionsrecht'", erklärt Lutz Wicke vom Institut für Umweltmanagement an der Wirtschaftshochschule ESCP Europe in Berlin.

Die Wissenschaftler schlagen für 2015 eine erste Höchstemissionsgrenze von 35 Milliarden Tonnen Kohlendioxid vor, in den folgenden Jahren müsste die Menge dann reduziert werden. Für jeden der gegenwärtig 6,9 Milliarden Menschen weltweit lägen die Emissionsrechte dann anfänglich bei rund fünf Tonnen Kohlendioxid.

Das wäre immer noch mehr als der Pro-Kopf-Ausstoß der Chinesen im Jahre 2005 (vier Tonnen), aber deutlich weniger als der Ausstoß der Deutschen (zehn Tonnen pro Kopf) und der US-Amerikaner (etwa 20 Tonnen pro Kopf).

"Das Schema Klimabasar - jeder gibt so wenig, wie er kann - hat die Verhandlungen in eine Sackgasse geführt", sagt Hans Joachim Schellnhuber vom PIK. Mit einer weltweiten Begrenzung und der Möglichkeit, mit Emissionsrechten zu handeln, würden dagegen auch die Interessen Chinas und der USA berücksichtigt, die keine nationalen Beschränkungen akzeptieren wollen.

Das Prinzip, so Wicke, "ist die Voraussetzung dafür, die Entwicklungsländer fair und aktiv einzubinden". Diese benötigen nach Einschätzung der Fachleute große ökonomische Anreize, um beim Klimaschutz mitzumachen. Ein solcher Anreiz könnte die Möglichkeit sein, nicht benötigte Emissionsrechte an andere Länder zu verkaufen.

Von ihrem Ansatz versprechen sich die Forscher auch einen starken Anreiz für Investitionen in klimafreundliche Technologien, für das Energiesparen, die Effizienzsteigerungen sowie für den Ausbau erneuerbarer Energien.

Das Verteilungsprinzip "Ein Mensch, ein Emissionsrecht" wurde in ähnlicher Form bereits 2009 vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen (WBGU) vorgeschlagen. Die Idee konnte sich jedoch bis jetzt nicht durchsetzen.