bedeckt München 20°

Klimaschutz:Wie Kohle der Energiewende schadet

Von so einem Betrag ist der europäische CO₂-Handel weit entfernt, derzeit liegt der Preis nur bei etwa fünf Euro. Eine Folge davon ist, dass in Deutschland trotz Energiewende der Ausstoß des Treibhausgases steigt. Die Öko-Energien tragen zwar mittlerweile etwa ein Viertel zur Stromversorgung bei, aber sie ersetzen hauptsächlich die abgeschalteten Atomkraftwerke. Weil Kohle billiger und Gas teurer geworden ist, verdrängt der viele Kohlestrom den klimaschonenden Strom aus Gas.

Der Kraftwerksbetreiber, der für das Gas mehr bezahlen muss, als er an der Strombörse für seinen Strom bekommt, der lässt sein Werk eben nicht laufen, selbst wenn der teure Bau schon steht. Ein höherer Preis für den Ausstoß von CO₂ könnte das ändern und Kohlestrom teurer machen. Er verursacht ja auch die höchsten Klimaschäden. So hingegen wird der deutsche Kohlestrom nach halb Europa exportiert.

Schier unbegrenzte Kohlevorräte

Deutschland ist daran nicht allein schuld, aber die vorherige Bundesregierung hat auch nichts dagegen getan. Und insgesamt droht das deutsche Klimaziel für 2020 verfehlt zu werden. Das wäre sehr peinlich für ein Land, das Vorbild sein wollte. Ebenso peinlich ist es für die EU, wie wenig sie im Klimaschutz zuwege bringt; nun hat sie in den Verhandlungen über ein globales Abkommen einen schlechten Stand. Zwar werden jetzt viele Verschmutzungsrechte später als geplant auf den Markt gebracht, damit der Preis steigt, aber wirklich nachhaltig wird das den Emissionshandel kaum stützen.

Dabei könnten Deutschland und Europa zeigen, wie eine Wirtschaft von der Droge Kohle loskommen kann: die Technologien und die Instrumente entwickeln, damit andere Länder nicht die gleichen Fehler wiederholen. Wenn der Emissionshandel nicht funktioniert, müssen notfalls andere Lösungen her: strengere Grenzwerte für den Schadstoffausstoß wie in den USA, oder ein Mindestpreis für Emissionsrechte wie in Großbritannien. Einfach hinterhertrödeln und abwarten, dass sich das Problem von selbst löst, ist jedenfalls keine gute Idee. Die Kohlevorräte im Boden reichen noch für Jahrhunderte, sie sind schier unbegrenzt. Der Platz für Klimagase in der Atmosphäre ist es nicht.

© SZ vom 15.04.2014/chrb

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite