Klimakolumne:Ändern wir jetzt wirklich was - oder tun wir nur so?

Hände, Körper und vor allem Haare - Das Comeback der Seife

Längst kann man statt Duschgel und Shampoo Seifen kaufen, hier beim Hersteller Haused Wolf. Aber die Klimakrise löst man so nicht.

(Foto: Timm Schamberger/dpa)

Vor der Wahl wiederholten alle großen Parteien das Mantra: Klimaschutz-Klimaschutz-Klimaschutz. Jetzt müssen sie zeigen, dass sie den auch draufhaben.

Von Pia Ratzesberger

Es gibt viele große Fragen diese Woche, aber fangen wir mal beim ganz Kleinen an: Haarseife.

Hätte ich diesen Text vor ein paar Jahren geschrieben, hätte ich wahrscheinlich noch erklärt, was das ist, heute aber bekommt man die runden Dinger in jeder Drogerie, natürlich 1000 Prozent öko, super für die Umwelt, yeah, yeah, yeah. Daneben dann die Regale voller Shampooflaschen und ich habe nicht durchgezählt, aber mein Eindruck ist, dass die eher nicht im selben Verhältnis verschwinden, wie feste Shampoos auftauchen. Sondern der Kapitalismus nur mal wieder neues Land erobert hat. Zwischen Vanilleduftkerzen und Badekristallen taucht da also eine Frage auf, die in den nächsten Wochen entscheidend sein wird:

Ändern wir jetzt wirklich was - oder tun wir nur so?

Sowieso klar, die Antwort wird an einem ganz anderen Ort gegeben werden müssen als dem Drogeriemarkt, denn selbst wenn jeder von uns ab morgen nie wieder eine Shampooflasche kauft, wird die Klimakrise nicht gelöst sein. (Diese Wahrheit verkauft sich nur schlechter als Grapefruit-Conditioner.)

Für die großen Lösungen braucht es die große Politik, und das Klimaschutzgesetz ist zwar immerhin noch vor der Bundestagswahl beschlossen worden, doch umsetzen müssen es jetzt die Neuen. Es ist dabei vielleicht gar nicht so wichtig, ob es ein Klimaministerium geben wird, wie FDP-Chef Christian Lindner es diese Woche erst angekündigt und dann doch wieder zurückgenommen hatte. Solange an den Schreibtischen in Berlin, in welchem Gebäude sie dann auch stehen, die Arbeit gemacht wird. Also: erneuerbare Energien ausbauen, Bahnstrecken, Nahverkehr, eine endlose Liste.

In den Chor der Nachhaltigkeit stimmen mittlerweile ja alle mit ein, Shampoofirma, Betonhersteller, Zigarettenkonzerne, und auch alle großen Parteien wiederholten vor der Bundestagswahl mal mehr, mal weniger überzeugend das Mantra: KlimaschutzKlimaschutzKlimaschutz.

Jetzt müssen sie zeigen, dass sie den auch draufhaben.

Die Fridays-for-Future-Bewegung hat am Mittwoch noch einmal sanft daran erinnert, als sie den Verhandlungsgruppen ihre sechs Forderungen mit auf den Weg gab - unter anderem die konkrete Verabschiedung eines CO₂-Budgets, das mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbar sei, sowie einen sofortigen Stopp des Ausbaus oder Neubaus von Autobahnen. Dass gerade nicht mal mehr über ein Tempolimit auf Autobahnen verhandelt wird, macht jedoch nicht allzu viel Hoffnung für einen Punkt wie den letzteren.

Aber nur weil Dinge im Moment nicht realistisch scheinen, heißt das ja nicht, dass man sie vergessen sollte, im Gegenteil. Und wer weiß, vielleicht ist der gesellschaftliche Kipppunkt, an dem die Menschen plötzlich für mehr Klimaschutz bereit sind als bislang, gar nicht so weit weg wie wir denken (nicht nur darüber spricht meine Kollegin Marlene Weiß mit dem Physiker Dirk Brockmann in diesem lesenswerten Interview). Wenn die Klimaschutzbewegung in den vergangenen Jahren eines ausgezeichnet hat, dann ist es ihre Beharrlichkeit. Wäre doch was, wenn man das künftig auch von der Klimapolitik der neuen Regierung sagen könnte.

(Dieser Text stammt aus dem wöchentlichen Newsletter Klimafreitag, den Sie hier kostenfrei bestellen können.)

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