Klimakolumne:Die Rückkehr der Moore

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Foehre Waldkiefer Wald Kiefer Gemeine Kiefer Pinus sylvestris Kiefer im Teufelsmoor im Abendl; Teufelsmoor Niedersachsen

Im Teufelsmoor in Niedersachsen wurde lange industriell Torf abgebaut, inzwischen wird es teils wiedervernässt. Doch der Schaden bleibt.

(Foto: C. Kaiser; via www.imago-images.de; Imago Images/imago images / blickwinkel)

Beim Blick auf die Landkarte stellt man schnell fest: Früher war mehr Moor. Über einen Mechanismus, der uns noch lange begleiten wird.

Von Pia Ratzesberger

Wenn man in die Welt der Moore einsinkt, stößt man auf so viele wunderbare Wörter, man könnte ein ganzes Lexikon füllen. Oligotroph-sauer, mesotroph-subneutral, mesotroph-kalkhaltig und besonders schön: "Wiedervernässung". Dieses bürokratenpoetische Wort hat es bislang selten aus den Fachbibliotheken der Geographen hinausgeschafft. Jetzt scheint seine Zeit gekommen.

Am Mittwoch hat das Bundesumweltministerium eine nationale Strategie vorgestellt, um die Moore in Deutschland besser zu schützen. Was auch bedeutet, sie erstmal wiederzubeleben, denn was tot ist, lässt sich schlecht schützen. Beim Blick auf die Landkarte stellt man schnell fest: Früher war mehr Moor.

Die feuchten Gebiete sind schon lange nicht mehr so unberührt wie im Märchen, heute sind die meisten Moore bebaut, dienten dem Abbau von Torf oder werden von Bauern genutzt, mehr als 90 Prozent der Flächen gelten damit als tot. Am Beispiel der Moore zeigt sich ein Mechanismus, der uns noch lange begleiten wird: Was der Mensch mit großem Aufwand geschaffen hat, muss er rückgängig machen, weil die Folgen zu schwer wiegen. Erst hat er die nassen Moore trockengelegt. Jetzt muss er sie "wiedervernässen".

In den Sagen sind Moore die Orte, von denen man nie zurückkehrt, in der Realität dagegen sind sie äußerst nützlich, solange man sie ihre Arbeit machen lässt. Wie Schwämme nehmen sie Wasser auf, wenn es regnet, sie schützen vor Überflutungen und speichern zudem riesige Mengen an Kohlenstoffdioxid, mehr als jedes andere Ökosystem der Erde. Wer den Mooren hilft, hilft dem Klima. Zersetzen sich Moorböden dagegen, weil man sie trockengelegt hat, werden die Treibhausgase wieder frei und gelangen in die Atmosphäre. Im Jahr 2019 zum Beispiel machte dieser Prozess 6,7 Prozent der Emissionen in Deutschland aus. Nicht gerade wenig.

Das Bundesumweltministerium hat nun angekündigt, neben anderen Förderprogrammen seien zum Schutz der Moore im Bundeshaushalt 100 Millionen Euro eingeplant, das klingt nach einem Erfolg, ist aber keiner. Eigentlich hatten Union und SPD im Koalitionsvertrag nämlich festgelegt, eine Strategie zum Schutz der Moore zu verabschieden, doch die Sache ging zwischen dem Bundesumweltministerium und dem Bundeslandwirtschaftsministerium hin und her, her und hin. Einig wurde man sich nicht, jetzt hat das BMU sein Papier zum Schutz der Moore eben alleine vorgelegt - als Arbeitsgrundlage für die nächste Regierungskoalition.

Der Staatssekretär für Umwelt, Jochen Flasbarth, räumte am Mittwoch selbst ein, dass man es nicht geschafft habe, die Strategie ins Kabinett zu bringen und sie damit zu einem verbindlichen Konzept der Bundesregierung zu machen. Am Beispiel der Moore zeigt sich deshalb leider noch ein zweiter altbekannter Mechanismus: Dass selbst die Dinge, die sich die Politik immerhin schonmal fest vorgenommen hatte, die eigentlich versprochen waren, nicht unbedingt Realität werden.

Würde man den Mooren helfen, würde im Übrigen nicht nur das große Klima, sondern auch ein kleines Tier profitieren, das im Lexikon unter M zu finden ist: die Moorschnucke. Das Schaf nämlich grast am liebsten in feuchten Gebieten, in Hochmooren, und sieht es deshalb gar nicht gerne, wenn die austrocknen.

Momentan findet man die Moorschnucke allerdings nicht nur im Lexikon - sondern auch auf der Liste der gefährdeten Arten.

(Dieser Text stammt aus dem wöchentlichen Newsletter Klimafreitag, den Sie hier kostenfrei bestellen können.)

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