Altmaier auf dem Klimagipfel in Doha:Der katarischen Präsidentschaft entgleitet die Kontrolle

So nimmt das Drama in Doha seinen Lauf. Der katarischen Präsidentschaft, die doch die Verhandlungen leiten und moderieren soll, entgleitet zunehmend die Kontrolle. In den USA sortiert sich die Regierung neu, Peking rätselt über die Ziele der neuen Regierenden. Und Aosis, die nicht unwichtige Gruppe der Inselstaaten, orientiert sich nun hin zu einer Staatengruppe um Saudi-Arabien, Indien und den Sudan. Dabei hatten sich die Inselstaaten noch bei der Klimakonferenz in Durban im vorigen Jahr mit den Europäern verbündet und dem Gipfel so eine Wende gegeben. "Davon ist mittlerweile keine Rede mehr", sagt ein Aosis-Verhandler.

Die EU als neugieriger Betrachter des Weltgeschehens: Für Altmaier wäre es ein Déjà-vu auf der internationalen Bühne. Auch bei der Weltkonferenz Rio +20 im Juni in Rio de Janeiro musste er am Ende ein Ergebnis verkaufen, das im Wesentlichen Brasilien, die USA, China und Indien ausgehandelt hatten. So könnte es abermals laufen, sollten die Europäer nicht doch noch eingreifen. Das aber können sie erst, wenn sie sich wieder mehr mit der Konferenz befassen als mit sich selbst. Viel Zeit bleibt nicht mehr: Offiziell endet die Konferenz diesen Freitag. Eine Verlängerung in den Samstag hinein gilt als wahrscheinlich.

Altmaier hetzt derweil von Termin zu Termin. Er trifft den glücklosen katarischen Präsidenten der Konferenz und den widerspenstigen Umweltminister Polens. Nebenbei will er noch für seinen "Club der Energiewende-Staaten" werben, der im Januar stehen soll, wenngleich erst einmal mit einer überschaubaren Zahl der Willigen. Er hält eine Rede vor dem Plenum und lobt darin den "German energy turn-around" als "maximale Klimaaktion".

Und dann trifft er noch Studenten, ganz kurz. Einer sagt zu ihm: "Ob ich glücklich aus Doha abreise, liegt in Ihrer Verantwortung." Altmaier zögert nicht lange, er sagt: "Ich behalte die Nachricht in meinem Herzen. Wir werden so lange verhandeln, bis wir etwas erreicht haben." Das ist doch mal ein Wort.

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