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Klimaforschung:Großstädte können zu gefährlichen Hitzeinseln werden

Innenstädte sind an heißen Tagen oft unerträglich, weil die Temperaturen noch höher steigen als auf dem Land. Hitzewellen erreichen hier daher schneller extreme Werte. Dabei potenziert sich die Gefahr für die Stadtbürger.

Innenstädte sind bei Sommerhitze unangenehme Aufenthaltsorte. Das zeigen nicht nur Filmklassiker wie Billy Wilders "Das verflixte 7. Jahr", sondern auch Daten der Klima- und Wetterforschung. Dicht stehende, hohe Häuser bilden Hitzeinseln, deren Temperaturen höher liegen als auf dem Land. Besonders nachts gibt die Bausubstanz aufgenommene Wärme wieder ab. Welche Folgen das haben kann, zeigt eine neue Studie aus Madison in Wisconsin. Dort haben sich 2012 die Effekte von Hitzeinsel und einer Hitzewelle potenziert.

In der Universitätsstadt haben die Forscher Jason Schatz und Christopher Kucharik von der örtlichen Hochschule im Frühjahr 2012 ein dichtes Netz von Sensoren aufgebaut, die jede Viertelstunde Temperatur und Luftfeuchtigkeit erfassten. Jener Sommer war zufällig der drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1869.

Statt statistisch zu erwartender neun Tage mit Höchsttemperaturen über 90 Grad Fahrenheit (32,2 Grad Celsius) stiegen beispielsweise die Messwerte am Flughafen an 39 Tagen über dieses Limit. In der Innenstadt waren es laut der Sensordaten sogar 49 Tage. Das ist umso erstaunlicher, als die City auf einer nicht einmal einen Kilometer breiten Landzunge zwischen zwei Seen liegt. Das Wasser kühlte aber bestenfalls die Uferstraßen. In der ersten Juliwoche übertraf das Thermometer fünfmal in Folge 35 Grad Celsius (Environmental Research Letters, online). Die Hitzewelle verstärkte den Hitzeinsel-Effekt. Die Differenz zwischen Stadt und Land stieg auf 2,2 Grad Celsius, in den späteren Juliwochen war es im Mittel ein halbes Grad weniger.

Gefährlich für die Gesundheit war der Hitzstau vor allem nachts: Da lag die Temperaturdifferenz im Mittel bei 4,4 Grad. Vier Nächte lang kühlte die Luft nicht unter 26,7 Grad (80 Grad Fahrenheit) ab, den amerikanischen Warnwert. Das belastet den Körper empfindlicher Menschen, weil der Hitzestress nicht nachlässt. Ein Gutes hatte der Hitzeinsel-Effekt aber, das zeigte sich im extrem kalten Winter 2013/14. In dieser Phase lagen die niedrigsten Temperaturen der Innenstadt um drei Grad höher als im Umland. Die am dichtesten besiedelten Gebiete erlebten fast 200 Stunden weniger, in denen das Thermometer unter minus 17,8 Grad Celsius (Null Grad Fahrenheit) fiel.

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SZ vom 30.09.2015/mahu
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