Klima:Mit der Kälte kam die Sahara

Kamele in der Thar Wüste, Indien

Kamele in der Wüste.

(Foto: kolya_kobi - Fotolia)

Offenbar trug ein Temperatursturz vor sieben Millionen Jahren zur Entstehung von Wüsten in den Subtropen bei. Dahinter steckt eine Art Klimawandel rückwärts.

Von Marlene Weiß

Die Sahara ist nicht gerade ein Ort, den man mit Kälte assoziiert. Und doch ist sie offenbar vor sieben Millionen Jahren auch deshalb entstanden, weil es kühler wurde. Das schließen Forscher um Timothy Herbert von der Brown University aus Sediment-Analysen von vielen Orten auf der Erde, die Aufschluss über frühere Temperaturen geben. Demnach lässt sich eine Epoche zunehmender Trockenheit und großer ökologischer Veränderungen, welche die Erde vor sieben Millionen Jahren durchmachte, zumindest teilweise mit einem CO₂-Schwund in der Atmosphäre und dem folgenden Temperaturabfall erklären (Nature Geoscience).

Die Studie ist ein Beitrag zur Schließung einer Lücke: Forscher wissen zwar recht genau, wann welche Vegetation verbreitet war, wann Eis sich ausbreitete oder zurückzog. Erstaunlich schwierig ist es aber, die Temperaturen präzise zu rekonstruieren, welche einst auf der Erde herrschten und solche Veränderungen mit antrieben.

Die Forscher vermuten eine Art Klimawandel rückwärts

So war zwar bereits bekannt, dass sich in der Zeit vor etwa sieben Millionen Jahren die Vegetation auf der Erde dramatisch veränderte. In den Subtropen wurde es trocken, Sukkulenten und Steppenlandschaften breiteten sich aus. Nur warum? Bislang hatte man das zum großen Teil auf Einflüsse der Erdplatten-Bewegung geschoben, weil Hinweise auf Temperaturänderungen fehlten.

Die US-Forscher haben nun jedoch festgestellt, dass sich die Temperatur damals sehr wohl erheblich gewandelt haben muss: Nicht nur sei es um mehrere Grad Celsius kühler geworden, auch wenn es damals immer noch deutlich wärmer als heute war. Auch der Temperatur-Unterschied zwischen den Polen und der Äquator-Region sei stark gewachsen.

Die Forscher vermuten, dass dahinter nur ein globaler Mechanismus stehen kann, nämlich ein starker Rückgang des Kohlendioxids in der Atmosphäre; eine Art Klimawandel rückwärts. Das habe die Zirkulationsmuster in der Atmosphäre so verändert, dass in den Subtropen weniger Niederschlag ankam, und dürfte mithin mittelbar auch zur Entstehung der Sahara geführt haben. Diverse Rückkopplungen könnten den Effekt noch verstärkt haben: Weil Wälder Grasland und Steppen wichen, wurde mehr Sonneneinstrahlung ins All reflektiert und die Erde weiter gekühlt; zudem verdunstet bei niedrigerer Ozeantemperatur weniger Wasser, was zur Trockenheit beitrug.

© SZ vom 27.09.2016/fehu
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