Klima in Europa Schmuddelwetter zu Homers Zeiten

Vor 2800 Jahren wurde es in Europa plötzlich kühler, 200 Jahre lang waren die Winter besonders windig. Ein internationales Forscherteam konnte nun zeigen, dass die Klimaänderung mit einem Phänomen zusammenhing, das nach dem griechischen Dichter Homer benannt ist.

Von Christopher Schrader

Als Homer irgendwo in Griechenland seine Epen schrieb, waren die Winter in Mitteleuropa besonders unangenehm. Einen Teil der Verantwortung weisen Klimaforscher jetzt der Sonne zu, genauer einer ihrer magnetischen Schwächeperioden.

Das Meerfelder Maar der Eifel aus dem Flugzeug. Mit Hilfe von Sedimenten aus dem See können Wissenschaftler erklären, wieso sich in Europa das Wetter vor 2800 Jahren veränderte.

(Foto: GFZ, Achim Brauer)

Vor etwa 2800 Jahren habe sich das regionale Klima in Europa innerhalb von nur acht Jahren verschlechtert, schreiben Achim Brauer vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) und ein internationales Forscherteam im Fachmagazin Nature Geoscience (online).

200 Jahre lang waren dann die Winter von heftigeren Winden als gewöhnlich geprägt, während auf der Sonne die Magnetfelder, die sich zum Beispiel in der Zahl der Sonnenflecken äußern, Pause machten.

Beide Phänomene, das Homersche Minimum der Sonnenaktivität und die Abkühlung Europas, waren schon vorher bekannt. Die Forscher um Brauer konnten aber den direkten Zusammenhang beider aus ihren Daten ablesen.

Sie haben Sedimente aus dem Meerfelder Maar in der Eifel untersucht, die eine Struktur wie Jahresringe haben. Vor 2800 Jahren wurden diese plötzlich doppelt so dick wie zuvor. Der Zuwachs ging allein auf eine gesteigerte Algenblüte zurück. Heftige Winde und Wellen hätten das Wasser aufgewühlt und mehr Phosphor ins oberflächennahe Wasser gespült, wo die Algen es wie Dünger aufnahmen, vermuten die Forscher mangels anderer Erklärungen.

Doch daneben enthielten die Sedimente eine Botschaft aus dem All. "Wir haben einen gleichzeitigen Anstieg von Berryllium-10 gefunden", sagt Achim Brauer. "Das ist ein Isotop aus der kosmischen Strahlung, das bei einer schwachen Sonne in stärkerem Ausmaß auf die Erde kommt."

Diese Atomvariante hatte man auch schon in anderen Proben wie Eisbohrkernen aus jener Zeit gefunden. "Dass die Kollegen Daten für das regionale Klima und die Veränderungen der Sonne in denselben Schichten gefunden haben, macht diese Studie zu einem überzeugenden Beispiel für solche Zusammenhänge", kommentiert Georg Feulner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die Arbeit seiner Kollegen.

Eine magnetisch schwache Sonne könnte stärkere Winterwinde in Europa nur über eine komplizierte Ursachenkette auslösen. Nimmt die Aktivität des Tagesgestirns ab, enthält sein Licht mehr ultraviolette Anteile. Diese heizen die höheren Atmosphärenschichten auf. Dort verändert sich ein Windwirbel um den Nordpol, der seinerseits den Jetstream über dem Atlantik beeinflusst. Und wenn dieser auf Europa prallt, kann das Winterwetter auf dem Kontinent ungemütlicher werden.

Diese Art von Forschung findet statt vor dem Hintergrund einer oft bösartig geführten Debatte um den Klimawandel. Kritiker der etablierten Klimaforschung behaupten seit Langem, die Veränderungen im magnetischen Verhalten der Sonne seien in weitaus stärkerem Maß für die momentan beobachtete Klimaveränderung verantwortlich als Treibhausgase wie CO2.

Dem widerspricht Feulner: "Es gab vor 2800 Jahren eine regional und auch jahreszeitlich begrenzte Abkühlung und dabei ging es vielleicht um einige Zehntelgrad Celsius." Zu wenig also, um die aktuelle und zukünftige globale Erwärmung zu erklären, die in Grad gemessen wird. Auch das GFZ betont, der gefundene Effekt lasse keinen Ausblick auf die Zukunft zu, weil inzwischen natürliche und menschliche Ursachen das Klima beeinflussten.