Kletterkünste Schlangen haben hohes Sicherheitsbedürfnis

Lieber mehr Kraft als zu wenig: eine Baumpython beim Klettern

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Lieber mehr Kraft als zu wenig: Schlangen pressen sich mit deutlich mehr Druck an Bäume, als nötig wäre, um nicht abzustürzen. Die Boa hält den Sicherheitsrekord. Mit Grobmotorik hat das jedoch nichts zu tun.

Beim Erklettern von Bäumen gehen Schlangen kein Risiko ein. Sie halten sich im Durchschnitt mit dem Dreifachen der Kraft fest, die nötig wäre, um nicht abzurutschen. Das berichten die amerikanischen Biologen Greg Byrnes und Bruce Jayne in den Biology Letters der britischen Royal Society.

Während viele Tiere zum Klettern Krallen verwenden oder sich wie Geckos mit feinsten Härchen festhalten, müssen sich Schlangen mit reiner Muskelkraft an das Geäst pressen. Im Labor ließen Byrnes und Jayne verschiedene Schlangen eine Stange hinauf klettern, die mit Drucksensoren versehen war. Alle Schlangen bewegten sich wie eine Ziehharmonika: Während der untere Teil den Zylinder umschlingt, bewegt sich der vordere Teil nach oben, windet sich dort fest und zieht den Rest nach.

Die Forscher ermittelten für jede Schlange Reibungskoeffizient und Schwerkraft. Leichtere Schlangen wie ein 47 Gramm schwerer Tanimbar-Python (Morelia nauta) oder ein 80 Gramm schwerer Rautenpython (Morelia spilota) klammerten sich nur zweimal so fest wie nötig an die Stange. Die seltener in Bäumen aktive Königsboa erzielte den Rekord. Sie presste sich mit fünf Mal so viel Kraft wie nötig an die Kletterstange. Mit Grobmotorik hat das nichts zu tun: Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Schlangen beim Erwürgen ihrer Beute ihre Kraft sehr genau dosieren können.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels stand, Geckos würden sich mit Saugnäpfen festhalten. Richtig ist, dass die Tiere sich mithilfe feinster Härchen an ihren Füßen senkrecht an den Wänden halten. Mehr Infos dazu finden Sie in dieser Studie.