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Kernkraftwerke gehen vom Netz:Japan ist weit von einer Energiewende entfernt

Von einer Energiewende aber ist Japan immer noch weit entfernt. Tepco etwa investiert nach wie vor nicht in alternative Energie; die andern AKW-Betreiber ebenso wenig. Auch die Regierung hat wenig unternommen, um die japanische Energiepolitik zu reformieren. Weder wurde der Strommarkt liberalisiert, noch trennte Tokio den Betrieb der Stromnetze von dem der Kraftwerke. Private Initiativen wie jene des Internet-Unternehmers Masayoshi Son, der auf eigene Kosten Solarkraftwerke bauen will, wenn Präfekturen das Land zur Verfügung stellen, werden von Regierungsstellen behindert oder sogar sabotiert.

Jahrestag der Katastrophe von Fukushima

Japan senkt den Kopf

Dabei bescheinigte sogar das japanische Umweltministerium im vorigen Jahr ein Potential von knapp 900 Gigawatt Ökostrom-Kapazität, vor allem aus Windkraft. Zum Vergleich: Kernkraftwerke dort kommen auf eine Nennleistung von 50 Gigawatt. Nur bleiben die Potentiale weitgehend ungenutzt.

Auch die Regierung warnt, in den Spitzenzeiten des kommenden Sommers würden Japan etwa zehn Prozent Strom fehlen, vor allem in Kansai mit den Großstädten Osaka, Kyoto und Kobe und in Kyushu. In diesen Regionen war der Anteil des Atomstroms höher als in Tokio. Sparbefehle aber werde es diesmal nicht geben, sagt Handels- und Industrieminister Yukio Edano. Gerüchte, Tepco habe die Stromknappheit voriges Jahr übertrieben, um die Menschen von der Notwendigkeit der Kernkraft zu überzeugen, gibt es jetzt schon. Und sicherlich gibt es auch Überkapazitäten am japanischen Strommarkt.

Ohnehin waren nie alle 54 Atomreaktoren gleichzeitig am Netz, auch früher gab es Zwischenfälle und Revisionen. Kashiwazaki-Kariwa etwa stand zweimal längere Zeit still. 2002 ordnete Tokio "zur Strafe" einen Betriebsstopp aller sieben Reaktoren an, weil Tepco Wartungsprotokolle gefälscht hatte. Nach dem Chuetsu-Erdbeben 2007, bei dem die Anlage nur mit großem Glück einer Katastrophe entging, blieben sie 21 Monaten abgeschaltet.

Die Industrie aber will sich mit dem nuklearen Stillstand nicht abfinden. Schon warnt der Unternehmerverband Keidanren, Sprachrohr der Stromwirtschaft, vor "ernsthaften Schwierigkeiten". Ohne Atomkraft werde die Industrie vermehrt Produktionslinien ins Ausland verlagern. Allerdings sprachen sich zuletzt auch 400 kleinere und mittlere Unternehmer gegen das rasche Wiederanfahren der Kernkraftwerke aus: "Wir werden Alternativen für eine gesündere Entwicklung ohne Atomenergie vorschlagen." Ohnehin belaste eher der starke Yen das Exportgeschäft als teurer Strom.

Wie es nun weitergeht mit der Kernkraft in Japan, weiß niemand.

Fukushima I mit seinen sechs Reaktoren wird nie mehr ans Netz gehen, auch die intakt gebliebenen Blöcke 5 und 6. Fukushima II mit vier Einheiten ist knapp einer Katastrophe entgangen, liegt aber in der Sperrzone um Fukushima I. Alles andere liegt nun in der Hand der örtlichen Politik. Das Gesetz verlangt für das Anfahren eines abgeschalteten Reaktors die Einwilligung der "lokalen Behörden" - auch dann, wenn ein Atomkraftwerk nur für Wartungsarbeiten abgeschaltet wurde; solche Revisionen stehen alle 13 Monate an. Da wären etwa die Reaktoren Oi-1 und Oi-2 frisch gewartet und überprüft. Doch der Gouverneur der zuständigen Präfektur Fukui, Issei Nishikawa, will vorher von der Zentralregierung wissen, welche Lehren sie aus Fukushima gezogen habe. Außerdem wollen die Nachbarpräfekturen Kyoto und Shiga nun auch mitreden. Schließlich reicht die neu definierte 30-Kilometer-Risikozone um Oi bis in ihre Gebiete.

Dieses Risiko aber mögen viele Japaner gar nicht mehr.

Bilder aus der Fukushima-Sperrzone

Strahlende Leere