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Kein "Botenstoff der Liebe":Erhöhtes Konfliktpotential

Indem es die Bevorzugung der eigenen Gruppe beeinflusse, wirke sich Oxytocin auch auf das Verhältnis zwischen verschiedenen Gruppen und die Behandlung von Mitgliedern der eigenen und fremder Gruppen aus, schließen die Forscher. "Da eine solche unfaire Behandlung zu negativen Gefühlen, gewaltsamen Protesten und Aggressionen zwischen benachteiligten und ausgeschlossenen Individuen führen kann, könnte Oxytocin [...] eine Kettenreaktion auslösen, an deren Ende Auseinandersetzungen zwischen Gruppen stehen."

Gruppen, denen man sich zugehörig fühlen kann, reichen De Dreu zufolge von religiösen Gemeinschaften bis zu gewaltbereiten Hooligans. "Wenn Menschen mit anderen zusammenkommen, die ihre Werte teilen, dann steigt der Oxytocin-Spiegel", erklärte der Psychologe in der New York Times.

Die Wirkung von Hormonen auf die menschliche Psyche und das Verhalten ist komplex - so komplex, dass Oxytocin trotz der neuen Studienergebnisse nicht als "Ethnozentrismus-Hormon" oder "Botenstoff der Abgrenzung" bezeichnet werden sollte. Von einem "Botenstoff der Liebe" zu sprechen, wird der Wirkung des Hirntransmitters aber offensichtlich nicht gerecht. Und wer geplant hat, beim nächsten Date auf "Liquid Trust" zu setzen, sollte die Strategie vielleicht noch einmal überdenken.