Verhaltensbiologie:Wie faul sind Hauskatzen?

Die 12-Wochen alten Maine Coon-Mix Katzenbabys leben sich in ihrem neuen Zuhause ein. Fotografiert am Sonntag (14.06.202

Katzenhalter können ihre Tiere ruhig zu etwas mehr Anstrengung animieren, raten die Wissenschaftler.

(Foto: Becker&Bredel/imago images)

Katzen lassen sich lieber bedienen, statt selbst aktiv zu werden, zeigt ein Experiment. Das ist in der Tierwelt ziemlich ungewöhnlich.

Von Charlotte Geißler

Katzen lassen sich gerne bedienen. Was Katzenbesitzer schon lange vermutet haben, bestätigt jetzt eine Studie in der Fachzeitschrift Animal Cognition. Die Verhaltensbiologin Mikel Delgado und ihre Kollegen von der University of California haben untersucht, ob Katzen für ihr Futter gerne arbeiten. Das Ergebnis: Bei freier Wahl entscheiden sie sich lieber für ein Gratis-Essen. Dass die Katzen den Aufwand scheuen, hört sich erst mal logisch an. Tatsächlich ist ihr Verhalten in der Tierwelt aber recht einmalig: Viele andere Tiere bevorzugen es, für ihr Essen etwas getan zu haben.

Schweine und Hühner lösen lieber Aufgaben, statt ohne Aufwand etwas zu bekommen

Die 17 Katzen der Studie waren sich hingegen ziemlich einig: Bei der Wahl zwischen einem Futterrätsel und einem offen zugänglichen Teller entschieden sie sich in der großen Mehrheit für das Letztere. Das Futterrätsel bestand aus einer verschachtelten Box, in der die Katzen das Futter zwar sehen, es aber nur mithilfe einer Pfote herausholen konnten. Alle Katzen konnten mit dem Hindernis umgehen, sie waren vor dem Versuch daran gewöhnt worden. Vier Katzen fraßen zwar von beiden Tellern jeweils das gesamte Futter innerhalb der Versuchszeit, trotzdem beschäftigten sie sich bevorzugt mit dem einfachen Teller. Zwei Katzen verweigerten das Fressen aus der Rätselbox komplett und fraßen stattdessen nach Ende des Versuchs aus ihrer üblichen Schüssel. Die Vorlieben der Katzen hatten auch keinen erkennbaren Zusammenhang mit ihrer üblichen Aktivität. Fitte und trägere Katzen bevorzugten allesamt die bequeme Lösung.

Schweine, Grizzlybären oder Hühner entscheiden sich in Experimenten dagegen meist dafür, eine Aufgabe für ihr Essen zu verrichten- selbst dann, wenn das gleiche Futter auch ohne Aufwand zu haben wäre. In der freien Wildbahn ist es normal, dass Tiere für ihr Futter arbeiten, sie müssen es suchen oder jagen. Warum sich Tiere ohne Überlebensdruck freiwillig für Mehraufwand entscheiden, ist den Forschern zufolge relativ unklar. Langeweile und das Bedürfnis, die Umwelt zu erforschen, könnten erklären, warum Tiere gerne Aufgaben meistern. Das umgekehrte Phänomen ist dagegen bisher nur wenig untersucht.

Nur weil Katzen lieber beim Essen bedient werden, könne man sie aber nicht pauschal als faul bezeichnen, findet Delgado. Auch in der freien Natur sparen Katzen ihre Energie zwischen Jagdzügen. Die Forscherin vermutet zudem, dass die Futterrätsel im Versuch einfach nicht den Jagdinstinkt der Hauskatzen geweckt haben. Beim Jagen von Mäusen lassen sich bei ihnen ja durchaus spielerische Tendenzen beobachten. Trotz der eindeutigen Vorlieben der Katzen rät Delgado, ihnen das Essen nicht ausschließlich zu servieren: "Futterrätsel können Schnellfresser bremsen, Katzen geistig stimulieren und sie beschäftigen." Gerade reinen Wohnungskatzen mangelt es oft an Ablenkung und sie neigen zu Fettleibigkeit.

© SZ
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