Der Verdacht wiegt schwer. Aber man kann die Frage, was genau vor rund 18 000 Jahren in der Maszycka-Höhle in der Nähe von Krakau geschehen ist, auch erst einmal ausklammern. Gesichert ist: Ausgräber haben dort neben Steinwerkzeugen und Tierknochen 63 Bruchstücke menschlicher Gebeine entdeckt. 53 davon hat nun ein internationales Team um den katalanischen Anthropologen Francesc Marginedas untersucht. An zwei Dritteln von ihnen fanden die Forscherinnen und Forscher Schnitt- oder Bruchspuren. Irgendjemand hat dort offenbar an den Schädeln von mindestens zehn Menschen herumgekratzt, von sechs Erwachsenen und vier Jüngeren, und zwar kurz nach deren Tod. Jemand hat Muskelansätze abgeschabt und die Markhöhlen der Langknochen aufgebrochen. Und am Ende wurden die Gebeine in der Höhle abgelegt, gemeinsam mit den Überresten toter Tiere, die ähnliche Spuren aufweisen.
Seltsame KnochenfundeWar Kannibalismus in der Urgeschichte verbreitet?
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Immer wieder stoßen Archäologen auf eigenartig bearbeitete Überreste menschlicher Knochen. Sie legen nahe, dass hier Artgenossen verspeist wurden. Aber war das wirklich so? Von wem? Und warum?
Von Jakob Wetzel
