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Kanada steigt aus dem Kyoto-Protokoll aus:Was bedeutet das kanadische Vorgehen für den weltweiten Klimaschutz?

Als die Nachricht aus Durban kam, dass das Kyoto-Protokoll verlängert werden soll, klang dies besser, als es tatsächlich ist. Denn auf der UN-Klimakonferenz in Südafrika haben nicht alle bisherigen Kyoto-Teilnehmer die Fortsetzung des Protokolls beschlossen.

Lediglich die EU und einige Industrieländer wie die Schweiz, Norwegen, Neuseeland und Australien haben neben den Entwicklungsländern eine Verlängerung zugesagt. Zusammen verursachen diese Länder lediglich 15 Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes. Wie die Verringerungen von 2013 an aussehen sollen, wollen die willigen Kyoto-Staaten bis zur nächsten Klimakonferenz Ende 2012 in Katar aushandeln. Die Vereinbarung soll bis 2020 oder auch nur bis 2017 gelten.

Der vorzeitige Ausstieg der Kanadier aus dem Kyoto-Protokoll hat deshalb für die Vereinbarungen, die in Durban beschlossen wurden, keine direkte Bedeutung. Ottawa macht nur den bisherigen Klimaschutz zur offiziellen Strategie.

Äußerst problematisch ist aber, dass das Verhalten der Kanadier die Verlässlichkeit von Vereinbarungen wie dem Kyoto-Protokoll in Frage zu stellen droht. Wenn ein Land seine Verpflichtungen tatsächlich so einfach über Bord werfen kann, wie verlässlich sind dann Abkommen wie jenes, das in Durban der große Durchbruch war? Kann man sich dann noch darauf verlassen, dass sich alle Staaten an die Ziele halten werden, die bis 2015 ausgehandelt und ab 2020 umgesetzt werden sollen? Mit ihrem Versuch heizen die Kanadier die Zweifel daran an, dass diese Pläne tatsächlich einen ernsthaften Willen zum konsequenten Klimaschutz wiedergeben.

Auch deshalb haben Umweltschützer mit Empörung auf die kanadische Entscheidung reagiert. Mit diesem "zynischen" Verhalten setze Ottawa das in Südafrika "mühsam errungene Vertrauen der Entwicklungs- und Schwellenländer aufs Spiel" und gefährde den ohnehin schwierigen Prozess des internationalen Klimaschutzes. Auch die Umweltorganisation WWF sprach von einem "Schlag ins Gesicht der Weltöffentlichkeit" und "staatlich organisierter Verantwortungslosigkeit".

© sueddeutsche.de/mcs/miba/bürk/AFP/woja/gba
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