Kampf dem Schnarchen:Mit Masken oder Schienen im Bett

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Dabei handelt es sich um ein fein einstellbares Zwei-Schienensystem, das auf die Ober- und Unterkieferzähne gesetzt wird und den Unterkiefer einige Millimeter nach vorne schiebt. So wird erreicht, dass die Zunge vorne bleibt und so der Atemweg freigehalten wird. Je nach Ausführung sind die beiden Schienen durch einen kleinen Haken an der Frontseite oder seitlich angebrachte Flossen oder Teleskope miteinander verbunden.

Kampf dem Schnarchen: Bei manchen Patienten werden Protrusionsschienen verwendet, die wie Zahnspangen getragen werden.

Bei manchen Patienten werden Protrusionsschienen verwendet, die wie Zahnspangen getragen werden.

(Foto: Foto: Schwarting)

Voraussetzung für diese Alternative zur CPAP-Maske: Der Patient sollte im Ober- und Unterkiefer über mindestens zehn gesunde Zähne verfügen und nicht zu übergewichtig sein.

"In Schweden werden bereits 50 Prozent der leichten und mittelschweren Schlafapnoiker erfolgreich mit einer Unterkiefervorschubschiene therapiert", sagt die Kieler Zahnärztin Susanne Schwarting, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Schlafmedizin.

In Deutschland dagegen seien die "Schnarchschienen" noch nicht so verbreitet, weil es vor allem an geschulten Zahnärzten fehle. "Langfristig wirksam sind nur individuell nach Gebissabdrücken angepasste Zahnschienen", erklärt die Expertin, "da billige industriell vorgefertigte Schienen keinen ausreichenden Halt auf den Zahnreihen bieten."

Operation ohne Erfolgsgarantie

Wer in der Nacht weder Atemmaske noch Protrusionsschiene tragen möchte, kommt um eine Operation nicht herum. Dabei wird zum Beispiel das sogenannte Gaumensegel gestrafft oder mit hochfrequenter Strahlung das Gaumengewebe verödet. Allerdings ist eine solche Operation bei Erfolgsquoten von maximal 50 Prozent wie ein Lotteriespiel: Eine Garantie, dass sie die Schlafapnoe beseitigt, gibt es nicht.

"Ich habe Patienten kennengelernt, die nach einer Operation sogar mehr Beschwerden hatten als zuvor", sagt Reinhard Müller, Bundessprecher Schlafapnoe im Sozialverband VdK und Leiter einer Selbsthilfegruppe im hessischen Baunatal. Müller schwört auf seine CPAP-Maske, die ihn seit 1992 ruhiger schlafen lässt.

Müller hat eine typische "Karriere" als Schlafapnoiker hinter sich: Starker Schnarcher ohne Übergewicht oder übermäßigen Alkoholkonsum, aber mit andauernder Übermüdung. Nach einem Bericht im Fernsehen nahm er Kontakt mit Fachärzten auf. Inzwischen weiß er fast alles über die Erkrankung, informiert andere Patienten und hilft bei der Weiterbildung von Ärzten.

Ein Leben ohne CPAP-Maske ist für ihn zurzeit nicht vorstellbar. Aber vielleicht wird auch er in zehn Jahren auf die Maske verzichten können: So lange wird es nach Meinung von Experten noch dauern, bis es Tabletten gegen Schnarchen zu kaufen geben wird.

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