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Kahlschlag und Klimawandel:Teufelskreis am Amazonas

Über dem tropischen Meer entwickelte sich ein dauerhaftes Tiefdruckgebiet, dem ein ebenso konstantes, ungewöhnliches Hoch mit ausgeprägt schönem Wetter über Amazonien gegenüberstand. Klimasimulationen zufolge dürfte sich diese Wetterlage wegen der Erderwärmung zukünftig häufiger einstellen.

Feuer vernichten große Teile des Regenwaldes.

(Foto: Foto: dpa)

Für Nepstad entsteht so ein "Alptraum-Szenario": "Einige aufeinander folgende Dürrejahre bei gleichzeitiger starker Entwaldung führen dazu, dass riesige Gebiete entflammen. Der aufsteigender Rauch verhindert, dass sich Wolken bilden, es fällt noch weniger Regen - ein Teufelskreis." Zumal die Brandrodung wiederum die Erderwärmung antreibt.

"Die starke Entwaldung macht Brasilien zum weltweit viertgrößten Kohlendioxid-Produzenten", klagt Umweltschützer Kaiser. Die von Nepstads Team bis 2030 prognostizierten Waldverluste könnten weitere 15 bis 26 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen - also maximal so viel, wie die ganze Welt zurzeit pro Jahr freisetzt.

Manche fürchten, dass dadurch am Ende das gesamte Ökosystem kippt und der Regenwald zur offenen Savanne wird. Ob und wann die kritische Schwelle überschritten ist, wagt niemand vorauszusagen. Einige Ökologen vermuten, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn die Waldfläche zur Hälfte zerstört ist, andere setzen die Grenze bei 30 bis 40 Prozent Verlust an.

Francis Mayle und Mitchell Power von der Universität Edinburgh hingegen billigen dem Urwald mehr Widerstandskraft zu. "In der Vergangenheit überstand Amazonien deutlich trockenere Phasen", schreiben sie und erinnern an eine regenarme Periode vor 8000 bis 4000 Jahren.

Auch 2005 bildeten die Bäume trotz Trockenheit viele neue Blätter und betrieben mehr Photosynthese als in normalen Jahren; das nötige Wasser holten sie sich durch längere Wurzeln. Wo kein Mensch zündelte, überstand die Natur die Dürre recht gut. Für Mayle und Power ist deshalb klar: "Abholzung und Feuer gefährden Amazonien stärker als der Klimawandel."

© SZ vom 06.03.2008/mcs
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