Jugend in Deutschland:Zwischen Versorgungsparadies und Zukunftsangst

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Teenager leben heute in einem Klima des Dauerkonsums und leiden unter dem ungebrochenen Jugendwahn und dem vorgeblichen Verständnis ihrer Eltern.

Laut einer jetzt veröffentlichten Studie befindet sich die Jugend 2007 im Dilemma zwischen "Versorgungsparadies und Zukunftsängsten" und braucht Orientierung in einem Klima des Dauerkonsums und des ungebrochenen Jugendwahns.

Um ihre tiefgreifender Zukunftsängste zu bewältigen bräuchten die Jugendlichen Klartext und schonungslose Aufklärung von den Erwachsenen. Die - allerdings relativ kleine - Jugendstudie wurde vom Rheingold-Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen erstellt.

Die vorhergehenden Jugendgenerationen seit den 70er Jahren hätten noch Utopien oder zumindest ein ironisiertes Verhältnis zu Erwachsenen gehabt, erklärte Instituts-Gründer Stephan Grünewald.

Die Jugend 2007 leide dagegen unter fehlenden Perspektiven und einer mangelnden Abgrenzungsmöglichkeit gegen eine immer noch vom Jugendwahn ergriffene Elterngeneration. In einer "Welt inflationärer Beliebigkeit" forderten die Jugendlichen Respekt und Distanz.

Laut Grünewald schwanken die zwölf- bis 17-Jährigen ständig "zwischen Himmel und Hölle": Einerseits gebe es das Gefühl, in einem Versorgungsparadies mit verständnisvollen Eltern und grenzenlosen Möglichkeiten zu leben, andererseits sähen die Jugendlichen aber die Zukunft mangels Orientierungshilfen als schwarzes, lediglich mit einem Fragezeichen versehenes Loch.

Vorgebliches Verständnis von Eltern, die gleichzeitig ständig auf die Jugendkultur schielten und sie sich aneigneten, könne so plötzlich als Interessensheuchelei empfunden werden.

Die Jugendlichen haben der Studie zufolge verschiedene "Lebensstrategien" entwickelt, die von Dauerkonsum über Abschottungstendenzen bis hin zu Ausweichen in künstliche Paradiese reichen.

Klartext reden

Die Pubertät als Zeitraum der Übergänge und des Lernens gehe so immer mehr verloren, kritisierte Grünewald. Statt Neuanfänge zu riskieren, schreckten viele Jugendliche vor einer "apokalyptischen Leere" zurück.

Die Studie empfiehlt Eltern und Medien, Jugendlichen gegenüber klare, erwachsene Positionen zu beziehen und mit ihnen Klartext zu reden. Schonungslose Aufklärung sei besser als "Perfektionsheuchelei", erklärte Grünewald.

Erwachsene müssten Vorbilder und Haltungen vermitteln, die nicht perfekt sein müssten, sondern zeigen sollten, dass Entwicklung und Fortschritt nicht glatt, sondern auch mit Widerständen verlaufe.

"Jugendliche brauchen konkrete Aufträge, damit sie das Gefühl bekommen, gebraucht zu werden", betonte der Studienleiter. Nötig seien Träume und Zukunfstbilder als Alternative zum Konsumklima.

Das Rheingold-Institut betreibt tiefenpsychologische Markt- und Medienforschung. Für die Jugendstudie im Auftrag von Axel Springer Mediahouse München wurden 26 Mädchen und 14 Jungen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren in Gruppen- und Tiefeninterviews befragt.

Wegen der aufwendigen tiefenpsychologischen Befragungstechnik reiche eine relativ kleine Stichprobe aus, erklärte Grünewald.

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