Jean Ziegler: Wir lassen sie verhungern Fakten, Anekdoten und ein paar Indiskretionen

All das schreibt Jean Ziegler, unterlegt mit Fakten und Anekdoten und ein paar Indiskretionen. Er wurde so oft von so vielen verklagt, und ein bisschen Gepolter verkauft sich einfach besser. Diesmal sind vor allem die Nahrungsmittelspekulanten dran, die er "Tigerhaie" nennt, weil Spekulant und Hai die Opfer über viele Kilometer aufspüren und dann vernichten.

Für Verfechter der Totalliberalisierung des Marktes ist das Kinderkram. Für Jean Ziegler, den alten Kämpfer, ist es eine Frage des Anstands, sich aufzulehnen gegen ein System, das der Mehrheit keine Chance gibt.

Er betritt eine brasilianische Zuckerrohrfarm nicht von vorne, durch die protzigen Büros der Zuckerbarone, sondern von hinten, durch die ärmlichen Siedlungen der Zuckerrohrschnitter, die selber mal Bauern waren, nicht reich, aber satt. Jetzt kaufen sie, was sie früher selbst angebaut haben. Sie sind der Menschenschrott, der übrig bleibt, wenn riesige Agrobetriebe und Zuckerrohrbarone ehemaliges Staatsland unter sich aufteilen, um abzusahnen bei der gigantischen Agrotreibstoff-Zockerei - von der Regierung abgesegneter Landraub.

Jean Ziegler tingelt schon so lange als Globalisierungsgegner durch die Welt, dass sein Spekulanten-Bashing fast schon zu erwartbar ist. Andererseits: Wenn nicht einmal mehr Leute wie er aufschreien würden, wer dann?

Jean Ziegler: Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt. C. Bertelsmann Verlag, München 2012. 319 Seiten, 19,99 Euro.