Japanische Atomanlage Fukushima Japan steckt weitere Millionen in Atomruine

Der japanische Atomkonzern Tepco bekommt die radioaktiven Lecks im havarierten Atomkraftwerk Fukushima-1 nicht in den Griff. Jetzt greift die Regierung bei der Sicherung der Anlage ein und will mehrere Millionen Steuergelder investieren.

Da der Atomkonzern Tepco es nicht schafft, den Austritt gewaltiger Mengen verseuchten Kühlwassers aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima zu verhindern, greift nun die die japanische Regierung ein. Um die Lecks in der Atomruine einzudämmen, will sie umgerechnet 360 Millionen Euro an Steuergeldern einsetzen.

Mit dem Geld solle unter anderem der Boden unter der Anlage gefroren und radioaktiv verseuchtes Wasser dekontaminiert werden, sagte ein Regierungssprecher vor Journalisten in Tokio. "Wir denken, dass wir für das Projekt rund 47 Milliarden Yen brauchen werden", sagte er weiter.

Der Plan war bereits im August diskutiert worden, nachdem bekannt geworden war, dass etwa 300 Tonnen verseuchtes Wasser täglich aus den hastig aufgestellten Stahltanks auf dem Kraftwerksgelände auslaufen und in den Pazifik gelangen. Für zusätzliche Probleme sorgt das Grundwasser, das von den Hügeln der Umgebung unter die Anlage fließt, sich dort mit dem bereits im Boden versickerten radioaktiven Kühlwasser vermengt und dann ins Meer abfließt.

Mit Hilfe der "gefrorenen Wand" wollen Wissenschaftler nun den Zufluss des Grundwassers und zugleich den Abfluss kontaminierten Kühlwassers stoppen. Die Technik wird zum Beispiel bereits beim Bau von U-Bahn-Tunneln und im Bergbau eingesetzt. Allerdings wurde die Methode noch nie in einer Größenordnung angewendet, wie es in Fukushima notwendig wäre.

Auf einer Länge von 1,4 Kilometern sollen in einer Tiefe zwischen drei und vier Metern Rohre verlegt werden, in die Kühlmittel gepumpt werden muss. Dieses soll das Erdreich auf minus 20 Grad einfrieren und so eine Eisbarriere bilden, die das Wasser aufhält. Mehr als ein Dutzend Kühlaggregate mit einer Leistung von 400 Kilowatt wären dafür notwendig. Ähnliche Apparate werden etwa in Eisstadien verwendet.

Der Plan war ursprünglich von der japanischen Firma Kajima Corp. vorgeschlagen worden, die auch das Atomkraftwerk selbst konstruiert hat. Im Mai wurde der Vorschlag von der Regierung geprüft. Im August hatte ein Regierungssprecher erklärt, der Kraftwerksbetreiber Tepco könnte das Projekt nicht allein finanzieren. Kajima hatte den Auftrag erhalten, bis März 2014 eine Studie vorzulegen, ob der Plan sich realisieren lässt. Stehen könnte die Eismauer dann spätestens 2015, hieß es.

Doch Kritiker weisen auf Schwachpunkte in dem Vorhaben hin. Die Mauer aus gefrorenem Wasser würde erst in mehr als einem Jahr wirken. Außerdem müsste die Kühlung, anders als etwa beim Tunnelbau, über Jahre hinweg erfolgen. Das ist möglich, aber aufwendig. Und sollte der Strom ausfallen - etwa aufgrund eines erneuten Erdbebens - würde der künstlich hergestellte Permafrostboden wieder auftauen.