Verstrahltes Fleisch aus Fukushima Lieferstopp für Rinder

Als vor zehn Tagen bekannt wurde, dass das verstrahlte Fleisch von sechs Rindern ausgeliefert und verzehrt wurde, tat die japanische Regierung dies noch als "isolierten Einzelfall" ab. Jetzt hat das Landwirtschaftsministerium alle Rindfleisch-Lieferungen aus der Präfektur Fukushima gestoppt. Die Behörden müssen reagieren, weil immer größere Mengen von verseuchtem Fleisch auftauchen.

Von Christoph Neidhart; Tokio

Die japanische Regierung hat am Dienstag jegliche Lieferung von Rindfleisch aus der Präfektur Fukushima gestoppt. Damit reagierte sie auf neue Funde verseuchten Fleisches, das über das ganze Land vertrieben wurde und zum Teil bereits konsumiert worden ist.

Seit diesem Dienstag darf kein Fleisch mehr aus der Präfektur Fukushima ausgeliefert werden.

(Foto: dpa)

Als vor zehn Tagen bekannt wurde, Fleisch von sechs Rindern von einem Bauernhof in Minamisoma, das dreißig Kilometer nördlich des Meilers liegt, sei in Tokio und anderen Landesteilen verkauft worden, tat die Regierung dies eiligst als "isolierten Fall" ab. Und als Fehler des Bauern.

Der Grenzwert der japanischen Regierung liegt bei 500 Becquerel; er war zum Teil um ein Vielfaches überschritten. Vorige Woche waren es plötzlich mehr als 40 Rinder. Am Wochenende kamen 82 dazu. Am Dienstagabend zählte die Agentur Kyodo 648 Tiere, die mit verstrahltem Stroh gefüttert worden waren, und deren Fleisch in die Verkaufskanäle gelangt war. Ob das Fleisch all dieser Tiere die Grenzwerte überschritten hat, lässt sich nicht mehr eruieren.

Fast hundert der Rinder stammen von Farmen außerhalb der Präfektur Fukushima. Mit den neuen Funden wurde bekannt, dass die ersten angeblich "isolierten Fälle" eher zufällig entdeckt wurden. Die Kontrollen, mit denen die Regierung die Bevölkerung beruhigen will, sind Stichproben, sie werden nicht zentral organisiert.

Kontaminiertes Reisstroh

Auch wurde klar, dass das Landwirtschafts- und Fischereiministerium Fehler gemacht hat. Wenn radioaktiver Regen Gemüse verseucht hat, liegt es nahe, dass im Freien gelagertes Reisstroh ebenfalls kontaminiert ist. Wie Kabinettssprecher Yukio Edano am Dienstag zugab, hatte das offenbar niemand bedacht. Die Regierung hatte es unterlassen, den Bauern zu sagen, sie sollten kein im Freien gelagertes Stroh verfüttern.

Besonders beunruhigt reagieren die Japaner auf die Tatsache, dass offenbar Reisstroh aus Motomiya 70 Kilometer westlich der AKW-Ruine mit bis zu 690.000 Becquerel Cäsium pro Kilo verseucht war. Kontaminiert war auch Stroh aus Tome und Kurihara in der Präfektur Miyagi, 160 Kilometer nördlich von Fukushima 1. Und sogar Stroh in einer Gemeinde an der japanischen See.

Gemüse, das so weit entfernt vom Meiler produziert wurde, galt bisher als unbedenklich. Es wird ebenfalls nur stichprobenartig überprüft. Der Katastrophenmanager, Minister Goshi Hosono, versuchte, die Japaner zu beruhigen. Wenn man von diesem Fleisch nicht täglich esse, "hat es keinen großen Effekt auf die Gesundheit", sagte er.