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Japan: Katastrophengebiet:Furcht vor dem Flussfieber

Die Schreckensmeldungen aus Japan reißen nicht ab: Während Tepco weiterhin radioaktives Wasser aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer pumpt, warnen Experten vor einer gefährlichen Infektionskrankheit im Katastrophengebiet.

Am Atomkraftwerk Fukushima-1 in Japan wird weiterhin radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gepumpt. Der Betreiber Tepco will damit in Tanks Platz schaffen, in denen dann noch stärker verstrahltes Wasser gespeichert werden soll.

Fachkräfte messen die radioaktive Strahlung in Fukushima. Neben der Strahlung wächst die Furcht vor Krankheitserregern im Katastrophengebiet.

(Foto: AP)

Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, strömten bis Dienstagmittag (Ortszeit) rund 3430 Tonnen leicht belastetes Wasser in den Pazifik. Insgesamt sollen 11.500 Tonnen abgelassen werden.

Die Helfer stehen vor einem Dilemma: Sie leiten Wasser zum Kühlen der Reaktoren in die Kraftwerksgebäude, wissen dann aber nicht, wohin damit. Die Behörden gehen davon aus, dass sich inzwischen 60.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser im Keller der Reaktorgebäude sowie in unterirdischen Kanälen angesammelt hat. Das Wasser behindert das weitere Vorgehen der Arbeiter.

Regierungssprecher Yukio Edano verteidigte erneut die Aktion: Die Maßnahme sei leider unvermeidlich, sagte er. Nur auf diese Weise könne verhindert werden, dass sich noch stärker kontaminiertes Wasser ausbreite. "Wir verklappen radioaktives Wasser, und das tut uns sehr leid", so Edano. Die Regierung werde die Lage in Fukushima sehr genau beobachten. Japan bat zudem Russland um die Bereitstellung eines Schiffes, das speziell für die Entsorgung atomarer Abfälle gerüstet ist.

Zum Auffangen von radioaktiv verseuchtem Wasser wurde ein riesiges Tankfloß in Bewegung gesetzt. Das sogenannte Megafloat legte im Hafen von Shimizu in der Provinz Shizuoka ab und wird zunächst in eine Werft in der Tokioter Nachbarstadt Yokohama gezogen. Dort soll es für den Einsatz an der Atomruine umgebaut werden, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji Press. Außerdem ist die Rede von einem Zaun, der im Meer vor Fukushima verhindern soll, dass sich vergiftetes Wasser unkontrolliert im Pazifik ausbreitet.

Warnung vor Fieberkrankheit - erster Fall bekannt

In den japanischen Katastrophengebieten müssen sich die Menschen nun auch noch vor einer gefährlichen Milbenart in Acht nehmen. Das Nationale Institut für Infektionskrankheiten warnt vor einer Ausbreitung des durch die Herbstgrasmilbe übertragenen Japanischen Flussfiebers, auch "Tsutsugamushi"-Krankheit oder Milbenfleckfieber genannt.

Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf das Institut berichtete, könnten durch Erdrutsche in Folge des Erdbebens Schlammmassen mit Tsutsugamushi-befallenen Milben in Gebiete gelangt sein, die zuvor nie einen Ausbruch der Krankheit erlebten hatten. Bei einem älteren Mann in der Unglückspräfektur Fukushima, wo das havarierte Atomkraftwerk steht, war am 22. März die Krankheit diagnostiziert worden, hieß es weiter.

Gerade im Frühling sowie im Herbst tritt die Krankheit am häufigsten auf. Patienten, die von der Milbe über einen Biss mit Bakterien der Art Rickettsia tsutsugamushi infiziert wurden, leiden unter anderem unter Fieber und Ausschlag. Ohne angemessene Behandlung mit Antibiotika kann die Krankheit tödlich ausgehen. Wichtig ist demnach, die betroffenen Gebiete ausreichend mit entsprechenden Medikamenten zu versorgen.

Südkorea reagiert indes besorgt über die Ableitungsmaßnahmen ins Meer: Man habe eine entsprechende Anfrage über seine Botschaft in Tokio an die japanische Regierung gerichtet, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Seoul. Südkorea benötigt demnach genaue Daten, um die möglichen Gefahren für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt abschätzen zu können. Aufgrund der Nähe zwischen beiden Ländern sei die Maßnahme ein "dfringendes Problem" für Südkorea, zitierte die Nachrichtenagentur Yonhap Regierungsbeamte in Seoul. Das Land sei nicht im Voraus über die Einleitung des verseuchten Wassers ins Meer informiert worden.

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