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Ressourcenknappheit:Die grüne Oase - heute straubtrocken

Viele Menschen in Isfahan und am Unterlauf des Zayandeh machen Missmanagement für ihre Probleme verantwortlich. Erst errichtete der Staat Ende der Sechzigerjahre eine Talsperre am Oberlauf, die 1971 in Betrieb ging und in der U-Bahn der Hauptstadt Teheran bis heute auf Plakaten der Regierung als Symbol für den technischen Fortschritt gefeiert wird. Denn so blieben den Bewohnern entlang des Flusses im Frühjahr Überflutungen nach der Schneeschmelze erspart und es stand das ganze Jahr gleichmäßig Wasser für die Landwirtschaft zur Verfügung - das begrüßten die Leuten natürlich. Sie begannen zugleich, im großen Stil wasserintensive Pflanzen wie Weizen anzubauen.

Ende der Neunzigerjahre baute die Regierung dann aber eine Wasserpipeline, um die Wüstenstadt Yazd zu versorgen, Heimat des früheren Präsidenten Mohammad Khatami, wie die Leute in Isfahan betonen; er war von 1997 bis 2005 im Amt. In mit Mörtel ausgekleideten Stahlrohren von 1,6 Metern Durchmesser wird der Fluss umgeleitet. Viele sehen darin die Ursache für die Misere. Zwei Mal, 2013 und 2016, rammten wütende Bauern die Leitung bei Protesten mit ihren Traktoren. In Yazd musste daraufhin das Trinkwasser rationiert werden. Die Reserven reichen nur wenige Stunden, warnte der Chef des Wasserwerks, Hossein Ghafouri.

Die Si-o-se Pol vor einigen Jahren, als der Zayandeh noch nicht versiegt war

(Foto: Behrouz Mehri/AFP)

Die Gegend östlich von Isfahan war einmal eine der fruchtbarsten in Iran. Dutzende Taubentürme, oft mehr als 300 Jahre alt, zeugen entlang des Zayandeh von der Geschichte des Ackerbaus. Die aus ungebrannten Lehmziegeln gemauerten, tonnenförmigen Festungen boten den Vögeln in ihrem Inneren Tausende schachbrettförmig angeordnete Nischen zum Nisten, kleine Einfluglöcher schützten vor natürlichen Feinden. Die Taubenzucht diente nicht dem Fleischverzehr, so wollte man den Mist der Vögel gewinnen, mit dem die Melonenfelder gedüngt wurden. Deren Früchte galten als die besten in Iran.

Neunzig Prozent der Felder werden nicht mehr bestellt

Zwei Millionen Menschen am Unterlauf des Zayandeh konnten einst von der Landwirtschaft leben. Heute führt die Fahrt entlang des Flusses an unbestellten Äckern vorbei, hellbraune Erde, staubtrocken. Auf manchen stehen noch Getreidestoppeln früherer Jahre. Die Bauern haben sie aufgegeben, die Bewässerungskanäle entlang der Straße liegen seit Jahren trocken, erzählen sie. Hunderttausende haben ihre Arbeit verloren, sind nach Isfahan und in andere Städte abgewandert, wo sie sich oft als Tagelöhner verdingen müssen.

Die Furchen und Gräben auf den Feldern, die einst zur Bewässerung dienten, sind noch zu erkennen. Der Wind trägt sie langsam ab, Staubstürme peitschen über die einst fruchtbare Ebene, Salzkrusten bedecken den Boden. In Varzaneh, wo sich der Fluss einst in ein grünes Delta verbreiterte und das Gavkhouni-Feuchtgebiet speiste, demonstrierten im März Tausende. "Tod den Bauern, es leben die Unterdrücker!", skandierten sie, die Umkehrung eines revolutionären Slogans. Neunzig Prozent der Felder würden nicht mehr bestellt, sagt Reza Khalili, der vor 17 Jahren eine Organisation gegründet hat, die sich für den Schutz des Gavkhouni-Feuchtgebiets einsetzt und des kulturellen Erbes von Varzaneh, der kleinen, aber fünf Jahrtausende alten Stadt am Rande der Wüste.

Die grünen Flecken, die sich zwischendurch noch finden, werden mit Tiefbrunnen bewässert, erklärt er. Die alten Brunnen auf den Feldern, oft in kunstvollen kleinen Häusern eingefasst, sind längst trocken, die Bäume daneben nur noch kahle Holzgerippe. "Früher konnte man hier mit der Hand nach Wasser graben", sagt er. Inzwischen sei der Wasserspiegel um zwölf Meter gefallen. Schon länger erteilt die Regierung keine Genehmigungen mehr für neue Bohrungen, auch das Grundwasser in dem Tal ist fast aufgebraucht.

Auch das verbleibende Grundwasser ist in Gefahr

Reza Khalili, 49, hat sanften Tourismus in der Region als alternative Einnahmequelle mit auf den Weg gebracht. Im Innenhof eines traditionellen Gästehauses hockt er jetzt in schwarzer Hose und einem blauen Karohemd auf dem Teppich und zeigt alte Fotos. Spiegelnde Wasserflächen, durch die Zehntausende Flamingos staksen. "Das ist vielleicht 20 Jahre her", sagt er, und fährt sich mit der Hand durchs graue Haar, als könne er selbst nicht glauben. Damals ergoss sich der Zayandeh noch in einem 30 Meter breiten, zwei Meter hohen Wasserfall in das Delta, das mit seinem Süß- und Brackwasser Vögeln, Fischen, Insekten und vielen anderen Tier- und Pflanzenarten Dutzende Quadratkilometer Lebensraum bot, geschützt und für Menschen weitgehend unzugänglich.

Heute läuft nur noch ein schmaler Bach über die Geländekante. Unten sammelt sich gelber Schaum, es riecht dumpf, wie an einer Kläranlage. "Das Wasser, das hier noch fließt, kommt aus artesischen Quellen", sagte er. "Und aus der Kanalisation." Ein paar Vögel sind schon noch da, aber die Wüste frisst sich immer weiter vor - und der Salzsee, in den das Delta mündet. Der undurchdringliche Gürtel mit meterhohem Schilf dörrt aus. Wo einst Grün und Blautöne bis zu den Dünen der Wüste reichten, gibt es immer mehr Beige und Braun. "Dieses Jahr erleben wir den Höhepunkt der Krise", sagt Reza Khalili. Das Delta versalzt immer weiter, und damit ist auch das verbleibende Grundwasser in Gefahr.

Selbst wenn das Wasser zurückkäme, bräuchten die Sümpfe wohl Jahrzehnte, um sich zu erholen. "Das sind komplizierte Ketten, wenn ein Glied bricht, ist alles verloren", sagt er. Viele der kleinen Wassertiere, die Flamingos mit ihren Schnäbeln herausseihen, gibt es nicht mehr, sie vertragen das Abwasser nicht. "Da!", ruft Reza Khalili und deutet in den blauen Himmel. Unverkennbar, die krummen Schnäbel, die langen Hälse. Zwei Flamingos. Schnell das Handy heraus, ein Video aufnehmen von den seltenen Gästen. Er hat Tränen in den Augen vor Glück. Es sind seit Monaten die ersten, die er gesehen hat, und er fährt jede Woche mehrmals hierher. Ein paar Kilometer weiter ist der Zayandeh nur noch ein weißer Streifen aus Salzkrusten, umgeben von übelriechenden Tümpeln. Varzaneh, einst als grünes Juwel der Provinz gerühmt, droht in der Wüste unterzugehen. In Isfahan sehen die Bewohner das als Menetekel für das Schicksal ihrer Stadt.

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