Wer den Feind nicht kennt, kann ihn auch nicht meiden. Das ist das Problem vieler Tiere vor allem auf Inseln, die sich plötzlich mit eingewanderten oder eingeschleppten Raubtieren konfrontiert sehen. Sie erkennen die Gefahr nicht und versuchen deshalb gar nicht erst zu fliehen oder sich zu verteidigen.
Manchmal sind die Beutetiere aber nicht so naiv wie bisher angenommen. Nämlich dann, wenn die Fleischfresser in Verhalten und Abstammung an bekannte Räuber erinnern ( Proceedings B). Ein Beispiel sei der Europäische Rotfuchs, schreiben die Autoren der Untersuchung. Füchse gehören zur Familie der Caniden, genau wie Dingos, die schon deutlich länger in Australien leben. Dieses Verwandtschaftsverhältnis genügt offenbar, damit viele Beutetiere auch den Fuchs als Gefahr erkennen. Manchmal seien die Gründe für den verheerenden Einfluss invasiver Räuber auf heimische Arten also komplexer als häufig angenommen, schreiben die Forscher.
Australien hält den Weltrekord, was das Aussterben von Säugetierspezies betrifft. Während vielerorts der Schwund von Lebensraum maßgeblich zum Artensterben beiträgt, liegt die Ursache in Australien vor allem in eingeschleppten Fleischfressern wie dem Fuchs und vor allem der Katze. Beide kamen erst vor 150 bis 200 Jahren auf den Kontinent.
Auf dem Kontinent sollen zwei Millionen Katzen getötet werden
Die Forscher analysierten 94 Studien, die sich mit dem Verhalten australischer Arten gegenüber diesen beiden Raubtieren befassten. Demnach erkennen sowohl Nager als auch Beuteltiere Füchse als Gefahr. Ihr Jagdverhalten und ihre Kommunikation über Geruchsstoffe ist nämlich ähnlich wie bei Dingos.
Anders verhält es sich mit Katzen. Kein anderes Mitglied dieser Familie lebt schon lange Zeit in Australien. Einige der berücksichtigten Einzelstudien legten zwar nahe, dass auch Katzen manchmal als Gefahr erkannt werden, doch ergab sich kein eindeutiges Bild. Katzen unterschieden sich vermutlich zu sehr in ihrem Aussehen und Verhalten von allen schon länger in Australien lebenden Raubtieren, vermuten die Forscher.
Weil sich die heimische Fauna nicht selbst vor den ihnen fremden Räubern schützen kann, versucht die australische Regierung gegen die schätzungsweise 20 Millionen streunenden Katzen vorzugehen. Dazu gehört auch der Plan, bis zum Jahr 2020 zwei Millionen der Tiere zu töten. Ob dies die Situation der gefährdeten Beute deutlich verbessern kann, ist jedoch umstritten.