Interview Wem gehört der Mond?

Fragen an Jürgen Cloppenburg, Institut für Weltraumrecht an der Universität Köln

SZ: Vor gut 30 Jahren hat Neil Armstrong die amerikanische Flagge in den Mondstaub gerammt. Gehört der Mond seither den USA?

Cloppenburg: Nein, und das haben sie auch nie behauptet. Denn nach dem Weltraumvertrag von 1967 wäre so etwas gar nicht möglich. Das internationale Recht verbietet es Staaten, sich den Weltraum anzueignen.

SZ: Nur den Staaten oder auch ihren Bürgern?

Cloppenburg: Privatpersonen werden in diesem Zusammenhang nicht ausdrücklich erwähnt, unter anderem weil in den 60er-Jahren noch niemand mit so etwas rechnete. Die meisten Juristen sind sich jedoch einig: Wenn Staaten keine Rechte geltend machen können, dann können deren Bürger auch kein Eigentum erwerben.

SZ: Ein Amerikaner namens Dennis Hope sieht das anders. Der Makler hat Ansprüche auf den Mond geltend gemacht - gemäß einem Gesetz aus der Wildwest-Zeit. Und weil innerhalb von acht Jahren niemand widersprochen hat, betrachtet er sich als Eigentümer.

Cloppenburg: Da steht er ziemlich allein da. Aus juristischer Sicht ist jemand, der wie Hope Mondgrundstücke zum Kauf anbietet, eigentlich nicht ernst zu nehmen.

SZ: Das heißt, die 19,90 Euro, die Hope für 7000 Quadratmeter Mond verlangt, sind schlecht angelegt?

Cloppenburg: Zumindest hat so ein Eigentumsrecht keinen praktischen Wert - es sei denn, man möchte sich die Urkunde an die Wand hängen.

SZ: Und wie steht es um die Bodenschätze auf dem Mond?

Cloppenburg: Im Prinzip gilt auch hier das Aneignungsverbot. Der Weltraumvertrag garantiert aber die Nutzungs- und Forschungsfreiheit im Weltraum. Daher spricht eigentlich nichts gegen den Abbau von Bodenschätzen.

SZ: Aneignen nein, nutzen ja - das klingt absurd.

Cloppenburg: Es ist in der Tat eine feinsinnige Unterscheidung. Laut Weltraumvertrag spricht sogar nichts dagegen, die Rohstoffe zur Erde zu bringen und hier zu nutzen - nur muss das zum Wohle aller Menschen geschehen.

SZ: Und wer definiert Gemeinwohl?

Cloppenburg: Dazu wurde unter anderem ein spezieller Mondvertrag entworfen, mit dem Ziel einer gerechten Verteilung der Erträge. Nur wird dieser Vertrag von gerade einmal zehn Staaten ratifiziert - darunter keine einzige Raumfahrtnation. Das ist der Knackpunkt.

SZ: Besteht denn die Aussicht, dass Länder wie Amerika, Russland, China oder Deutschland ihre Meinung ändern?

Cloppenburg: Kaum. Die Weltraumnationen sagen: Wir investieren viel Geld, wir begeben uns in Gefahr, wir wollen möglichst viele Vorteile genießen. Und deshalb sind sie auch gegen einen Mondvertrag, weil der ihre Handlungsfreiheit im Weltraum einschränken könnte.

(SZ vom 26.09.2003)