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Industrie-Rohstoffe:Schattenreich der Metalle

Der Wohlstand der Industrienationen hängt an Metallen. Doch wo die Rohstoffe in Zukunft herkommen sollen, ist oft unklar. Teil 4 der Serie über die versiegenden Ressourcen.

Christopher Schrader

Auch Diebe spüren die Weltkonjunktur. Als der Kupferpreis vor drei Jahren steil auf 8000 Dollar pro Tonne stieg, da lohnte es sich, Kabel, Trafos, Regenrinnen oder Bronzestatuen zu stehlen.

Metalle sind das Gerüst der modernen Industriegesellschaft. So wie hier in Indonesien beim Bau eines Hochhauses.

(Foto: Foto: dpa)

Selbst Oberleitungen von Eisenbahnstrecken wurden erst kurzgeschlossen, dann heruntergerissen. Andere Kriminelle, die in Stahl machten, klauten Gullideckel und montierten in Hessen vier Kilometer ausrangierte Gleise von den Schwellen.

Dann brach der Metallmarkt mit der Finanzkrise zusammen, worüber Diebe, Rohstoffspekulanten und Börsenmakler gemeinsam klagen könnten. Letztere machten ihr Leid öffentlich, als der Kupferpreis im Herbst 2008 unter 3000 Dollar pro Tonne stürzte.

Viele andere Metalle zeigen eine ähnliche Entwicklung. "Die Party ist vorbei", hieß es aus der Minenindustrie, wo milliardenschwere Übernahmen platzten.

Inzwischen liegt der Kupferpreis wieder bei mehr als 6000 Dollar pro Tonne. Für die Pessimisten unter den Fachleuten sind die wilden Preisausschläge allerdings ein Alarmzeichen: Die geologischen Vorräte vieler Rohstoffe würden knapp, warnen sie, darum seien die Märkte so nervös.

Genug Rohstoffe, fehlende Informationen

Ein brisantes Thema, denn der Wohlstand der Industrienationen hängt an Metallen. Aus Kupfer und Aluminium entstehen Kabel für Daten und Elektrizität; Tantal wird für Kondensatoren gebraucht, die Handys zum Funken bringen. Ohne Chrom gibt es keinen rostfreien Stahl; Gallium in dünnen Photovoltaikmodulen verwandelt Sonnenlicht zu Strom; Indium bildet eine Schicht, die leitend und transparent ist und in Flachbildschirmen steckt.

Spuren von Neodym sind für Magnete moderner Elektromotoren unverzichtbar; Platin entgiftet Abgase in Autokatalysatoren, und aus Lithium entstehen Batterien von Laptops und bald auch von Elektroautos.

Die Ausschläge an den Rohstoffbörsen sind für viele Experten ein vorübergehendes Problem. "Es geht nicht darum, ob wir kurzfristig genug Metall haben, nur das zeigt der Preis", sagt Thomas Graedel von der Yale University. "Entscheidend ist die Frage: Wird in Zukunft genug von den Metallen verfügbar sein?"

Geologisch betrachtet habe die Erde ausreichend Rohstoffe, "was aber fehlt, sind Informationen". Dem stimmt Thomas Oberthür zu, der beim Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover für die Lagerstätten zuständig ist: "Wenn es bei einzelnen Metallen Versorgungsprobleme gibt, dann liegt es nicht an den geologischen Ressourcen. Die Komplikationen sind jeweils spezifisch für das Material." Die Liste der Probleme reicht von der Geologie bis zur Weltpolitik.

Höchstens 15 Metalle werden gezielt in Minen abgebaut, der Rest ist Beifang. Indium zum Beispiel wird immer nur als Beiprodukt von Massengütern wie Zink oder Kupfer gewonnen. Seine Preisentwicklung allein bringt kaum einen Minenbetreiber dazu, die Produktion auszuweiten oder aufrechtzuerhalten.

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