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Impfstoff-Engpass:Sorge um die Vorsorge

Dass jetzt Impfstoffe gegen Kinderkrankheiten fehlen, liegt nicht nur an der Schweinegrippe, sondern auch an bedenklichen Entwicklungen auf dem deutschen Pharmamarkt.

Die Geschichte der Schweinegrippe-Impfung in Deutschland ist lang und glücklos - und nun wieder um eine Episode reicher: Weil die Pharmafirmen so viel Energie in die Produktion des Pandemie-Impfstoffs investiert haben, wurde die Herstellung von gewöhnlichen Impfdosen für Kinder vernachlässigt. In Deutschland, dem Land mit den höchsten Impfstoffpreisen Europas, fehlen sieben Präparate.

Impfung gegen die Schweinegrippe

Pest oder Cholera?

Das ist noch kein Grund für Panik. Mit Mehraufwand für Eltern und Unannehmlichkeiten für Kinder wird es Alternativen geben. Doch dass ausgerechnet bei lebenswichtigen Kinder-Impfungen Engpässe entstehen, wirft Fragen nach der Verantwortung mancher Hersteller auf.

Der erste Konzern, der in Deutschland den Schweinegrippe-Impfstoff anbot, war Glaxo Smith Kline (GSK), eine Firma, die derzeit die wichtige "Sechsfach-impfung" für Babys nicht liefern kann, obwohl zuletzt viel zu viel Schweinegrippe-Impfstoff auf dem Markt war. Nun betont GSK: Pandemien sind nicht berechenbar. Das stimmt. Dass die Pandemie mild verlief, dass statt zwei Dosen eine reichte, das alles mag GSK nicht vorhergesehen haben. Aber dass Tausende Eltern ihre Kinder gegen Masern oder Polio impfen lassen wollen, das war nicht nur vorhersehbar. Das wusste man.

Dass es jetzt trotzdem einen Engpass gibt, hat mit einem Problem des deutschen Pharmamarkts zu tun: Viel zu oft gibt es nur einen Anbieter, der nach Belieben planen und rechnen kann. Für die Sechsfachimpfung gab es bis 2005 zwei Hersteller, einer musste aber sein Produkt vom Markt nehmen. Seitdem agierte GSK konkurrenzlos. Das ist gut fürs Geschäft, aber nicht für die Patienten, wie sich nun wieder einmal zeigt.

Über viele Monate haben uns Leser ihre Ansichten zur Schweinegrippe-Impfung geschrieben. Hier können Sie sie lesen und sich selbst an der Diskussion beteiligen.

© SZ vom 08.02.2010/beu
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