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Impflücken:Masern breiten sich aus

Die Zahl der Infektionen hat sich im Vergleich zum Vorjahr weltweit verdreifacht, berichtet die WHO. Ursache für den Anstieg sind unzureichende Impfquoten. Auch in Deutschland sind zu wenige Kinder vor der Erkrankung geschützt.

Die Zahl der Maserninfektionen hat sich nach vorläufigen Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO fast verdreifacht. In den ersten sechs Monaten des Jahres zählte die WHO mehr als 364 800 Infektionen, ein neuer Höchststand seit 2006. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte es weltweit 129 239 Erkrankungen gegeben. Wie die Sonderbehörde der Vereinten Nationen in Genf am Montagnachmittag mitteilte, breitet sich die hochansteckende und lebensgefährliche Infektionskrankheit weiterhin rasch aus und gefährdet Millionen Menschen.

Masern gelten vielen als Kinderkrankheit, können jedoch Menschen jeden Alters betreffen und schwerste, sogar tödliche Komplikationen hervorrufen. Es gibt zwar eine sichere und wirksame Impfung. Voraussetzung für eine sogenannte Herdenimmunität, die keine Ausbreitung mehr zulässt, ist jedoch eine Impfquote von mehr als 95 Prozent der Bevölkerung. Sie wird nur selten erreicht. Die Gründe für Impflücken sind dabei vielfältig, laut WHO stellen neben Krieg und schlechter Gesundheitsversorgung jedoch auch Fehlinformationen und Misstrauen gegenüber Impfungen ein erhebliches Problem dar. Besonders stark von den Masern betroffen sind derzeit die Ukraine, die Demokratische Republik Kongo und Madagaskar. Aktuelle Ausbrüche gibt es zudem in mehreren afrikanischen Staaten, auf den Philippinen und in Thailand.

Doch auch in der europäischen Region sind 2019 bereits 90 000 Menschen an Masern erkrankt. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2018, welches mit gut 85 000 Erkrankungen bereits einen Rekord dieses Jahrzehnts setzte. Unterdessen meldeten die USA, in denen die Masern eigentlich eliminiert waren, mehr als 1000 Erkrankungen, die höchste Zahl seit 25 Jahren. In Deutschland hat die Barmer Ersatzkasse erst vor wenigen Tagen von erheblichen Impflücken bei Kindern berichtet. 11,2 Prozent der Sechsjährigen sind demnach nicht ausreichend gegen die Masern geimpft.

© SZ vom 14.08.2019 / SZ
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