bedeckt München 10°

Ig-Nobelpreise:Briefmarken gegen Impotenz

In den USA wurden die Ig-Nobelpreise für "unwürdige" Forschung vergeben. Etwa für die Fragen, wie gesund Kannibalen leben und ob Briefmarken bei der Behandlung von Erektionsstörungen helfen.

Von Christoph von Eichhorn

1 / 11

Horiuchi of Japan accepts the Ig Nobel for Medical Education during the Ig Nobel awards ceremony at Harvard University in Cambridge

Quelle: REUTERS

Zehn Billionen Dollar Preisgeld: Welche Forscherin träumt nicht davon, mit derartigem Reichtum für ihre Mühen belohnt zu werden? Bei der Verleihung der "Ig Nobelpreise" haben am Donnerstagabend in Harvard zehn Wissenschaftlerteams diese Summe erhalten - allerdings handelt es sich dabei um Zimbabwe Dollar. Die Währung ist heute nicht mehr in Gebrauch, durch Hyperinflation war sie praktisch wertlos geworden.

Auch sonst nehmen sich die "Ig Nobelpreise" nicht sonderlich ernst. "Ig-Nobel" ist ein Wortspiel, das Adjektiv "ignoble" bedeutet so viel wie "unwürdig". Der Preis versteht sich als scherzhafte Auszeichnung für Forschung, die es üblicherweise nicht in die Schlagzeilen schafft - überreicht wird er aber jedes Jahr von echten Nobelpreisträgern im noblen Sanders Theatre der Harvard Universität. Die Zeremonie ist geprägt von Sketchen und Unterbrechungen - die Zuschauer werfen beispielsweise Papierflieger auf die Bühne.

2 / 11

Medizin

-

Quelle: AFP

Der Ig-Nobelpreis für Medizin geht dieses Jahr an zwei Ärzte aus den USA. Die Mediziner untersuchten, ob sich Nierensteine beseitigen lassen, indem man Achterbahn fährt. Patienten hatten zuvor berichtet, dass die Fahrt in einer Achterbahn ihr Leiden gelindert habe.

Die Mediziner entwickelten daraufhin mit einem 3D-Drucker drei künstliche Nieren, füllten sie mit Urin und Nierensteinen verschiedener Größe, und reisten nach Disneyland in Florida. Dort fuhren sie 20 Mal mit der "Big Thunder Mountain Railroad"-Achterbahn. Im Rücksitz der Achterbahn gelang es in zwei Drittel der Fahrten, einige Nierensteine zu lösen. Vermutlich helfen die schnellen Richtungswechsel und Erschütterungen dabei, die Verklumpungen zu beseitigen.

3 / 11

Anthropologie

Schimpanse nascht ein Eis

Quelle: dpa

Am Schimpansengehege kommen Zoobesucher nicht selten auf die Idee, die Tiere nachzuäffen. Drei Forscher der schwedischen Universität Lund fanden heraus, dass die Schimpansen den Menschen darin in nichts nachstehen. Laut der Studie "Spontane speziesübergreifende Imitation bei Interaktionen zwischen Schimpansen und Zoobesuchern" imitieren die Tiere die Menschen in etwa so häufig wie anders herum - und oft gelinge den Schimpansen das sogar ziemlich gut.

4 / 11

Biologie

Sommelier-Schule im Norden: In Hamburg reifen Weinexperten

Quelle: dpa

Wirkt sich eine Fliege auf die Weinqualität aus? Eine Studie bescheinigt Sommeliers erstaunliche Fähigkeiten: In einem Experiment konnten acht Weinexperten aus Baden verlässlich erschnuppern, wenn eine Fliege sich im Weinglas aufgehalten hatte, nachdem Weißwein eingeschenkt wurde.

Allerdings scheinen nur weibliche Fliegen den Wein zu verfälschen - die Weibchen geben laut den Forschern ein geschmacksveränderndes Pheromon ab. Für die Studie erhalten acht Forscher den Ig-Nobelpreis für Biologie, darunter Volker Jörger vom Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg.

5 / 11

Chemie

German police officer takes a saliva sample from a man during a DNA mass screening of about 3000 men in Neresheim near Heidenheim

Quelle: REUTERS

Drei portugiesische Forscher überprüften, inwieweit sich menschliche Spucke zum Putzen von Oberflächen eignet. Ergebnis: Von allen getesteten Substanzen löste Speichel den Schmutz am besten (im Test wurden Skulpturen aus dem 18. Jahrhundert verwendet). Damit war den Wissenschaftlern die Auszeichnung in der Rubrik Chemie sicher.

6 / 11

Medizinische Bildung

-

Quelle: Horiuchi / Tanaka

Für einen Selbstversuch erhält der Japaner Akira Horiuchi den diesjährigen Ig-Nobelpreis für medizinische Bildung. Horiuchi führte mit einem neuen Gerät an sich selbst eine Darmspiegelung im Sitzen durch und überprüfte die Ergebnisse währenddessen an einem Monitor. Fazit: "leichtes Unbehagen", aber scheint zu funktionieren.

7 / 11

Literatur

-

Quelle: SZ

Man hat es bereits geahnt: Handbücher werden praktisch nie gelesen. Eine australische Studie bestätigt diesen Verdacht. Bei Langzeitbefragungen gab die überwiegende Mehrheit an, selbst bei komplizierten Haushaltsprodukten nicht in die Bedienungsanleitung zu schauen. Eine weitere Erkenntnis: "Das Lesen von Anleitungen scheint Verärgerung und negative Emotionen auszulösen." Die Arbeit wird mit dem Ig-Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

8 / 11

Ernährung

-

Quelle: imago stock&people

Diese Nachricht hätte Hannibal Lecter nicht gefreut: Menschenfleisch hat einen geringeren Nährwert als vergleichbare tierische Produkte. Kannibalen nehmen also nicht so viele Kalorien zu sich wie Nicht-Kannibalen. Um das zu ermitteln, fertigte James Cole von der britischen Universität Brighton eine detaillierte Abschätzung an, wie viele Kalorien die einzelnen menschlichen Körperteile enthalten.

Dem Forscher ging es dabei um Kannibalismus in der Steinzeit, und die Motivation dafür. Archäologen wissen heute, dass unsere Vorfahren gelegentlich Menschenfleisch verspeisten. Cole vermutet, dass dieses Verhalten nicht nur dem Hunger geschuldet, sondern auch "sozial oder kulturell" motiviert war.

9 / 11

Frieden

Alle Autofahrer brauchen Durchblick

Quelle: obs

Der "Ig Nobelpreis" in der Kategorie Frieden geht an ein spanisches Forscherteam für die Studie "Schreien und Fluchen beim Autofahren: Häufigkeit, Gründe, wahrgenommenes Risiko und Bestrafung". Die Wissenschaftler versuchten zu ergründen, warum und wie oft beim Autofahren geflucht wird. Die häufigsten Gründe für das Beschimpfen anderer Teilnehmer im Straßenverkehr sind demnach die Missachtung von Regeln oder ein als gefährlich wahrgenommener Fahrstil.

10 / 11

Reproduktionsmedizin

Briefmarken aus aller Welt

Quelle: dpa

Die Mediziner John Barry, Bruce Blank und Michel Boileau erhielten den Preis in der Kategorie Reproduktionsmedizin, für den Einsatz von Briefmarken bei der Behandlung von Erektionsstörungen. Die Forscher entwickelten aus Briefmarken eine Art Hülle, die nachts um den Penis gelegt wird. Ist diese Hülle am Morgen beschädigt, hatte der Träger im Schlaf eine Erektion. Falls nicht, ist das ein Hinweis auf Impotenz.

11 / 11

Wirtschaft

Voodoo-Puppe

Quelle: frau.L. / photocase.com

Wie können sich Angestellte, die von ihrem Chef mies behandelt wurden, am besten rächen? Forscher aus Kanada und den USA untersuchten, ob eine Voodoo-Puppe bei der Bewältigung der negativen Erfahrung hilfreich ist. Traktierten die Mitarbeiter die "Chef-Puppe" mit spitzen Gegenständen, fühlten sie sich danach meist besser. Die Studie erhielt die Auszeichnung in der Kategorie "Wirtschaft".

© SZ.de/cvei/hach/mane
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema