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Energie:IEA rechnet nicht mehr mit steigenden Emissionen

FILE PHOTO: A photovoltaic solar panel farm is seen in Porto Feliz, Sao Paulo state

Die Kosten für Solarenergie sind zuletzt stark gesunken.

(Foto: AMANDA PEROBELLI/REUTERS)

In ihrem jährlichen Bericht sieht die OECD-Energieagentur ein schnelles Wachstum Erneuerbarer - aber noch nicht genug, um das Klima zu stabilisieren. Vieles hängt auch vom weiteren Pandemieverlauf ab.

Von Marlene Weiß

Die internationale Energieagentur IEA hat schon oft Prognosen zur Kostenentwicklung von Erneuerbaren gemacht, die von der Realität überholt wurden. Stets wuchsen die Ökoenergien schneller und günstiger, als die IEA es für möglich gehalten hätte. Das ist auch in diesem Jahr so: In ihrem am Dienstag veröffentlichten zentralen Bericht, dem "World Energy Outlook", berichtigt die einflussreiche OECD-Institution die Kosten für Solarenergie erneut nach unten. Um 20 bis 50 Prozent niedriger als im vergangenen Jahr geschätzt sind sie laut einer Analyse von Carbon Brief, bei teils wenigen Cent pro Kilowattstunde laut IEA "eine der günstigsten Elektrizitätsquellen der Geschichte".

Ansonsten zeigt der aktuelle Bericht, wie das Coronavirus die Welt noch schwerer berechenbar macht. Für das Jahr 2020 rechnet die IEA damit, dass der globale Energieverbrauch um fünf Prozent und die energiebedingten CO₂-Emissionen um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr fallen. Aber wie es weitergeht, bleibt offener als je zuvor.

Wie üblich beschreiben die Analysten ein "Stated Policies Scenario", das die Entwicklung des Energiesystems beschreibt für den Fall, dass die Staaten ihre angekündigten Pläne umsetzen. Parallel dazu gibt es aber ein Szenario der "verzögerten Erholung", falls die Pandemie die Welt noch länger im Bann hält. Im ersten Fall wäre der Energieverbrauch 2022 wieder auf dem Niveau vor der Pandemie, im zweiten erst 2025. Die CO₂-Emissionen würden in beiden Fällen nicht mehr ansteigen - aber eben vorerst auch nicht dauerhaft fallen, auch wenn der Kohleverbrauch nie mehr sein Vorkrisenniveau erreicht. Man dürfe niedriges Wachstum nicht mit einer Lösung für das Klimaproblem verwechseln, warnt die IEA.

Einen gesünderen Pfad beschreibt wie stets das Szenario "Nachhaltige Entwicklung", in dem der Zubau Erneuerbarer bis 2030 im Schnitt doppelt so schnell vorangehen müsste wie in der vergangenen Dekade. Für ein neues Modell der IEA, das den Weg zur CO₂-Neutralität bis 2050 skizziert, wäre sogar mehr als das Dreifache des bisherigen Tempos nötig. Unmöglich ist das nicht, wenn man den Einbruch der Kosten betrachtet. Aber es bleibt noch viel zu tun.

© SZ/weis
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