SpanienSchlangenjagd auf Ibiza: „Euthanasie mit einer möglichst schonenden Methode“

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Hufeisennattern sollen von Ibiza möglichst verschwinden, sagt die Inselregierung.
Hufeisennattern sollen von Ibiza möglichst verschwinden, sagt die Inselregierung. Alamy Stock Photos / Matthijs Kuijpers/mauritius images / Alamy Stock P
  • Eingeschleppte Hufeisennattern haben sich seit Anfang der 2000er Jahre auf 90 Prozent der Fläche von Ibíza ausgebreitet und bedrohen die einheimischen Mauereidechsen.
  • Die Inselregierung bekämpft die Nattern mit über 1900 Fallen und 13 hauptamtlichen Schlangenbekämpfern, im vergangenen Jahr wurden mehr als 3600 Schlangen gefangen.
  • Die Mauereidechsen spielen eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von Pflanzensamen, weshalb Ökologen einen Domino-Effekt für das gesamte Ökosystem befürchten.
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Die Inselregierung ruft zum Kampf gegen eingeschleppte Nattern auf. Auf dem spanischen Festland sind die Reptilien eine geschützte Spezies, vor Ort gelten sie als Katastrophe.

Von Patrick Illinger, Madrid

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Die ersten der ungebetenen Besucher kamen Anfang der 2000er-Jahre auf Ibiza an. Vermutlich versteckten sie sich bei der Anreise zwischen den Wurzeln importierter Olivenbäume. In ihrer neuen Heimat gefiel es ihnen jedenfalls mindestens so gut wie den mehr als drei Millionen Touristen, die jährlich die Insel besuchen.

Die Hufeisennattern der Art Hemorrhois hippocrepis begannen, sich unkontrolliert zu vermehren. Mittlerweile sind die Tiere auf 90 Prozent der Fläche von Ibiza anzutreffen.

Auf dem spanischen Festland sind die Reptilien eine geschützte Spezies, auf Ibiza gelten sie als Katastrophe. Die Nattern müssen dort keine Greifvögel oder Wildkatzen fürchten. Und sie verspeisen einheimische Tiere wie die blaugrün leuchtende Mauereidechse, ein Symboltier der Pitiusen, wie die Inseln Ibiza und Formentera heißen.

Auf dem Spiel stehe das Gleichgewicht der Ökosysteme

Vor der Natterninvasion gediehen die Eidechsen dort jahrtausendelang ohne Schlangen und entwickelten eine einzigartige Vielfalt an Farben. Doch geht es nicht nur um den schönen Anblick: Die Eidechsen spielen eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von Pflanzensamen und somit für die insulare Biodiversität. Ökologen befürchten einen Dominoeffekt, sollte die Mauereidechse dezimiert werden.

„Was auf dem Spiel steht, ist nicht nur eine Tierart, sondern das Gleichgewicht unserer Ökosysteme und ein weltweit einzigartiges Naturerbe“, sagte die Generaldirektorin für Naturschutz und Waldwirtschaft der Balearen, Ana Torres Riera. „Die Regierung wird entschieden handeln“, kündigte sie an.

Tatsächlich ist die Schlangenbekämpfung auf den Pitiusen bereits in vollem Gang. Mehr als 1900 Schlangenfallen waren im vergangenen Jahr auf Ibiza in Betrieb, berichtet die Lokalzeitung Diario de Ibíza, mehr als 500 auf Formentera, und das erstmals auch während der Wintermonate. Mehr als 3600 Schlangen wurden auf Ibiza gefangen, fast alle waren Hufeisennattern.

13 hauptamtliche Schlangenbekämpfer beschäftigt die Inselverwaltung seit diesem Jahr. Das für den Erhalt der heimischen Tierwelt zuständige Konsortium Cofib bittet Bürger und Besucher, sich im Fall einer Schlangensichtung zu melden. Wer dort aus reinem Interesse anruft, bekommt mitgeteilt, dass die Telefonnummer für Notfälle reserviert sei, also Begegnungen mit Schlangen.

Begegnungen, über die vor wenigen Tagen die Zeitung Periódico de Ibiza berichtete: Eine zwei Meter lange Natter hing am Küchenfenster einer Bewohnerin der nahe dem Flughafen gelegenen Siedlung San Jordi. Nach einem ersten Schreck fing sie das Tier später gemeinsam mit ihrem Mann im Garten.

Für Menschen seien die Nattern ungefährlich, auch wenn sie gelegentlich schnappen, erklären die Cofib-Experten. Dort bietet man an, bei der Bestimmung der Spezies zu helfen. Sofern es sich um eine invasive Art handelt, sei die beste Lösung eine „Euthanasie mit einer möglichst schonenden Methode“. Geneigten Inselbewohnern wird zudem die Anleitung zum Bau einer Schlangenfalle präsentiert.

Der Zoo von Barcelona hat unterdessen angekündigt, mit einem Zuchtprogramm zum Erhalt der bedrohten Pitiusa-Eidechse beizutragen. Doch wie das so ist mit der Artenvielfalt: Am anderen Ende Spaniens, auf der winzigen Halbinsel Gaztelugatxe im Baskenland sind (vermutlich eingeschleppte) Pitiusen-Eidechsen zur Plage und Bedrohung der dort heimischen Felseneidechse geworden. Im Baskenland wäre man gerne wieder los, was auf Ibiza erhalten werden soll.

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