Hygiene Vor dem Essen

Händewaschen auf der Straße im Senegal: In dem afrikanischen Land haben nur knapp 21 Prozent der Menschen in ihrem Wohngebäude unmittelbaren Zugang zu Wasser und Seife.

(Foto: AFP)

In vielen Entwicklungsländern fehlt es an Seife und an einem Zugang zu fließendem Wasser. Die Gesundheitsfolgen sind massiv - vor allem Kinder leiden unter diesem Mangel.

Von Christian Weber

Für die meisten Menschen ist das Händewaschen mit Wasser und Seife nach dem Toilettengang und häufig auch vor dem Zubereiten von Mahlzeiten und dem Essen eine selbstverständliche Routine. In vielen einkommensschwachen Ländern fehlt es dazu jedoch schlicht an Gelegenheit, wie jetzt eine Übersichtsarbeit im Fachmagazin American Journal of Tropical Medicine and Hygiene zeigt. Demnach gibt es noch einige Länder - vor allem in Afrika - wo kaum ein Haushalt auf eine vernünftige hygienische Infrastruktur Zugriff hat.

Die Forscher um die Epidemiologin Pavani Ram von der University at Buffalo analysierten Daten-Erhebungen aus insgesamt 51 Ländern in Afrika, Asien, Südamerika, dem Nahen und Mittleren Osten und Südosteuropa.

Dabei ergaben sich überraschende Einsichten: So haben etwa in Äthiopien nur 0,1 Prozent der Menschen in ihrer Wohnung unmittelbaren Zugang zu Wasser und Seife. Besser sieht die Lage aus, wenn man ganze Wohngebäude betrachtet. Da reichte die Spannweite von knapp 21 Prozent in Senegal bis zu 99,1 Prozent in Serbien und im Irak. Allgemein ist die Versorgung im Mittleren Osten besser als in Afrika; am schlechtesten schloss dort Afghanistan mit 42,6 Prozent ab. In Südostasien haben beim Spitzenreiter Bhutan 79 Prozent der Haushalte Zugang zu Wasser und Seife; beim Schlusslicht Bangladesch sind es nur 21,4 Prozent. Groß sind die Unterschiede auch innerhalb der Länder. So verfügen in Nepal nur sechs Prozent der ärmsten Menschen über Wasser und Seife in ihrer Wohnung; in reicheren Regionen sind es jedoch 85 Prozent.

Dabei ist zu bedenken, dass es sich bei diesen Zahlen nicht nur um einen Armutsindikator handelt, so wie es etwa der bekannte Big-Mac-Index für die Kaufkraft macht. Zwar mag es auch ästhetische Gründe für das Händewaschen geben, vor allem aber beugt es Krankheiten vor, die über Tröpfcheninfektion weitergegeben werden, etwa Lungenentzündungen und Durchfall. An diesen Leiden starben allein 2013 rund 1,6 Millionen Kinder auf der Welt, berichten die Autoren. Hinzu kommen nach einer Erhebung aus dem Jahr 2010 rund 120 Millionen Fälle von Lungenentzündung und 1,7 Milliarden Durchfallerkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren, die zwar nicht tödlich endeten, aber dennoch zu chronischen Beschwerden wie etwa Wachstumsschwierigkeiten führen können.