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Verhaltensforschung:Wie die Mutter, so die Tochter

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Unter Tüpfelhyänen herrscht ein striktes Matriarchat.

(Foto: Dai Kurokawa/Picture Alliance / dpa)

Verhalten und Vorlieben können von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Besonders auffällig ist dies bei Hyänen. Sie erben die Kontakt-Netzwerke ihrer Mütter.

Von Katrin Blawat

Kaum etwas klebt so fest an einem wie die Gewohnheiten der Eltern. Am wenigsten hilft dagegen der Vorsatz, später alles ganz anders zu machen als die Generation vor einem. Jahre später kommt dann die unvermeidliche Einsicht: Vieles am eigenen Verhalten erinnert zum Beispiel an die eigener Mutter. So geht es nicht nur dem Menschen, sondern - sogar in noch viel stärkerem Ausmaß - auch Tüpfelhyänen. Sie übernehmen als Jungtiere nahezu eins zu eins das soziale Netzwerk ihrer Mutter, verbringen also besonders viel Zeit mit jenen Artgenossen, die auch oft mit der Mutter zusammen sind. Das berichten Biologen im Fachmagazin Science, nachdem Forscher der Michigan State University eine Gruppe Hyänen 27 Jahre lang beobachtet hatten. Die einzelnen Tiere ließen sich anhand ihrer Fellzeichnungen identifizieren.

Tüpfelhyänen leben in Gruppen, sogenannten Clans, die einige wenige, aber auch annähernd 100 Tiere umfassen können. Ein Clan besteht aus mehreren Familien, in denen jeweils die Weibchen das Sagen haben. Überhaupt herrscht bei den Hyänen ein striktes Matriarchat. Die Männchen haben grundsätzlich einen niedrigeren Rang als die Weibchen; geschlechtsreife Söhne müssen die Gruppe verlassen. In ihren ersten Lebensjahren weichen die Jungen der Mutter kaum von der Seite. So ist es kein Wunder, dass sich die sozialen Kontakte der Generationen überschneiden.

Rangniedere Tiere pflegen insgesamt mehr Kontakte zu anderen Artgenossen

Wie gut die soziale Vererbung des Netzwerkes funktioniert, zeigt sich aber, wenn die Nachkommen weniger Kontakt zu der Mutter pflegen oder diese sogar gestorben ist. Selbst dann pflegten die Hyänen noch enge Kontakte zu jenen Artgenossen, die auch mit der Mutter oft zusammen gewesen waren. Besonders deutlich ließ sich diese Form der sozialen Vererbung bei den Kindern ranghoher Hyänen beobachten. Die Nachkommen weiter unten im Rang stehender Weibchen orientierten sich hingegen weniger eng an den mütterlichen Kontakten. Womöglich versuchen diese Tiere, ihre niedrige soziale Stellung auszugleichen, indem sie insgesamt mehr Kontakte zu Artgenossen aufbauen, vermuten die Wissenschaftler.

Auch bei anderen Tierarten beeinflusst die Stellung der Eltern innerhalb der Gruppe das Sozialleben ihrer Nachkommen. Doch derart eng wie bei den Hyänen ist der Zusammenhang selten. Zumal sich der sozial vererbte Rang eben nicht nur in Konflikten zeigt, sondern auch freundlich gesinnte Interaktionen zwischen den Clanmitgliedern bestimmt.

Letzteres sei bislang nicht bekannt gewesen, sagt Erstautor Amiyaal Ilany von der israelischen Bar-Ilan-Universität. Deutlich wurde in der Untersuchung auch, welch weitreichende Konsequenzen die Rangposition des Weibchens für ihre Nachkommen hat. "Die soziale Stellung ist superwichtig", sagt Studienautor Erol Akçay von der University of Pennsylvania. "Wenn deine Mutter einen niedrigeren Rang hat, ist die Chance geringer, zu überleben und dich fortzupflanzen."

Dass es sich bei dem von Ilany und seinen Co-Autoren beobachteten Phänomen tatsächlich um eine soziale und keine genetische Vererbung handelt, zeigt sich in den wenigen Fällen, in denen eine Tüpfelhyäne fremde Kinder groß zieht. Generell verdeutliche die Studie, wie vorsichtig man damit sein muss, generationenübergreifende Phänomene ausschließlich der genetischen Vererbung zuzuschreiben, mahnen die Autoren. "Vieles, was wir standardmäßig für genetisch bedingt halten, könnte auf umweltbedingten und sozialen Vorgängen beruhen", sagt Ilany.

© SZ
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