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Verhaltensbiologie:Nur nehmen, nie geben

Woman train with white pomeranian dog in the park Copyright: xleungchopanx Panthermedia27340007

Der Hund scheint doch nicht der beste Freund des Menschen zu sein.

(Foto: imago images/Panthermedia)

Neue Experimente zeigen, dass Hunde kein bisschen dankbar gegenüber ihren Haltern sind. Psychogramm einer verwöhnten Lebensform.

Kommentar von Christian Weber

Es ist ja schon länger bekannt, dass Hunde die so ziemlich privilegierteste Lebensform auf diesem Planeten darstellen. Rindern, Schweinen und Hühnern kostet die Nähe zum Menschen über kurz oder lang fast immer das Leben. Rehe und Wildschweine werden sogar in ihren Wohngebieten aufgesucht und dort hinterrücks erschossen. Hunde halten die Pfoten auf.

Okay, es mag sie einige Zehntausend Jahre Evolution gekostet haben, bis sie diesen unterwürfigen Blick hinbekommen haben, der so viele Menschen dahinschmelzen lässt. Sie versorgen die Schmarotzer hingebungsvoll mit Kost und Logis, selbst ihren Kot entsorgen sie in kleinen Plastiksäckchen. Rund 1,4 Milliarden Euro geben die Deutschen jedes Jahr für Hundefutter aus. Die wenigsten Hunde arbeiten dafür, etwa als Jagdbegleiter oder Wache. Von Hunden lernen, heißt in aller Regel: liegen lernen.

Doch es kommt noch schlimmer, wie jetzt ein Forscherteam um den Verhaltensbiologen Jim McGetrick vom Konrad-Lorenz-Institut für Ethologie in Wien herausgefunden hat. In der aktuellen Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins Plos One berichten sie auf 33 Seiten detailliert über bahnbrechende Experimente, statistisch solide ausgewertet, deren Ergebnisse sich in nur einem Satz zusammenfassen lassen: Hunde sind undankbar.

Das ergaben Versuche, bei denen zuerst die menschlichen Studienteilnehmer per Tastendruck einen Futterspender bedienten, mit dem sie Leckerli an die Hunde verteilten. Danach bekamen die Tiere die Gelegenheit, sich auf die gleiche Weise bei ihren Menschen zu bedanken. Doch was passierte? Kaum einer der mehr als 20 Border Collies, Berner Sennenhunde oder Golden Retriever im Labor rührte auch nur eine Pfote. Nehmen, ja. Geben, nein. Das änderte sich auch dann nicht, als Tiere und Menschen zwischen beiden Versuchen die Gelegenheit zur Interaktion bekamen: Die Streicheleinheiten nahmen die Hunde einfach auch noch mit.

Nein, der Hund ist nicht der beste Freund des Menschen, er tut nur so. Lieb gucken und Männchen machen kostet ihn nichts. Aber wenn es um eine härtere Währung geht, also um Futter, ist es vorbei mit der Freundlichkeit.

Die Frage bleibt, wie man mit dieser bitteren Einsicht umgeht. Man muss ja nicht gleich zur kulinarischen Lösung greifen, die immer noch in einigen Gegenden Chinas, Vietnams und Koreas sowie bis in die Nachkriegszeit in Deutschland gepflegt wurde. Und schmecken Hunde überhaupt? Und außerdem muss man anerkennen, dass die Tiere zumindest einen großen Nutzen haben: Sie verjagen die anderen skrupellosen Trittbrettfahrer der Menschheit, die Katzen.

© SZ
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