Forschung Deshalb mögen sich Menschen und Hunde

Eine Kiste mit drei Hunden auf einer Hundeschau in Birmingham.

(Foto: REUTERS)

Treue Augen, schief gelegter Kopf: Wenn ein Hund so schaut, schmelzen Herrchen und Frauchen dahin. Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, warum Menschen so eine tiefe Bindung zu ihren Hunden haben.

Von Hanno Charisius

Wenn sich Mensch und Hund in die Augen schauen, verändert sich die Hirnchemie beider Spezies. Sowohl im Blut des Menschen als auch in dem des Tiers steigt die Konzentration des Hormons Oxytocin. Dieser chemische Botenstoff vermittelt das Gefühl von Vertrauen und Zugehörigkeit, er wirkt beruhigend und angstlösend. Den gleichen Anstieg im Oxytocinspiegel kann man beobachten, wenn sich Mütter und ihre Babys in die Augen schauen oder bei Liebespaaren.

Im Fachblatt Science beschreiben japanische Biologen an diesem Freitag erstmals solche biochemischen Veränderungen auch bei der Interaktion zwischen zwei verschiedenen Arten. Die Forscher vermuten, dass die besondere Beziehung zwischen Mensch und Hund nur durch diesen gemeinsamen neurochemischen Mechanismus überhaupt entstehen konnte.

Die Japaner beschreiben eine zwischen-artliche Liebhab-Wechselwirkung: Wenn Hunde mit schräg gestelltem Kopf in die Augen ihrer Besitzer schauen, geht in deren Hirnen der Oxytocinspiegel hoch; durch die daraus folgende zusätzliche Zuwendung steigt das Oxytocin auch im Blut der Tiere.

Bei Wölfen wurde diese Verbindung nicht beobachtet

Diese beobachtete Interaktion konnten die Forscher auch im Experiment belegen. Sie sprühten Hunden Oxytocin in die Nase. Zumindest die weiblichen Tiere suchten danach vermehrt Blickkontakt mit ihren Besitzern, deren eigener Oxytocinspiegel durch die Hundeblicke anstieg.

Bei Wölfen, den wilden Verwandten der Hunde, konnten die Wissenschaftler keine Veränderungen der Oxytocinwerte durch Interaktion mit den Menschen feststellen. Das führt sie zu der Vermutung, dass es dieses Hormon ist, das für die Bindung zwischen Mensch und Hund sorgt. Womöglich war der Botenstoff auch entscheidend bei der Domestizierung des Hundes.

Sanftmütige Tiere hatten bessere Überlebenschancen

Eine Hypothese besagt, dass einst Wölfe die Knochen als bequeme Futterquelle entdeckt haben, die Frühmenschen von ihrem Mahl übrig ließen. Auf den ersten Müllkippen konnten sich vor allem solche Tiere durchfressen, die sich den Zweibeinern gegenüber friedlich verhielten. Zu wilde Tiere dürften vertrieben worden sein.

Die sanftmütigen hatten dagegen durch reichhaltiges Futter in der Nähe des Menschen Überlebensvorteile. Sie konnten sich besser vermehren und ihre Gene an mehr Nachkommen verteilen.

Irgendwann kapierten dann auch die Menschen, dass diese Tiere zu mehr nütze sein könnten als zur Müllverwertung - etwa zum Tragen von Lasten, als Jagdgehilfen und eben auch als Freund. Oxytocin könnte bei der Anbahnung dieser Freundschaft eine wichtige Rolle gespielt haben.