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Gefährliche Hitze:Es ist höchste Zeit, sich anzupassen

Hitzerekorde und extreme Trockenheit begünstigen auch die Gefahr von Waldbränden wie hier in British Columbia.

(Foto: AFP)

Die historische Hitzewelle in Kanada und dem Nordwesten der USA zeigt, wie dringend nötig Maßnahmen sind, um den immer extremeren Sommern zu begegnen. Auch in Deutschland.

Kommentar von Marlene Weiß

Nein, es ist nicht allein Pech, was dem Dorf Lytton in British Columbia passiert ist. Erst verzeichnete der Ort drei Tage nacheinander Hitzerekorde, zuletzt glutheiße 49,6 Grad, der höchste je in Kanada gemessene Wert. Und dann raste ein Waldbrand über Lytton hinweg, der gesamte Ortskern brannte ab, rund 1000 Menschen mussten fliehen. Allein rund um Lytton waren zum Ende der Woche Feuer auf rund 90 Quadratkilometern außer Kontrolle.

Waldbrände hat es immer gegeben, aber wie sehr Trockenheit und Hitze sie beschleunigen können, hat man nur zu oft gesehen. Auch Trockenheit und Hitze hat es immer gegeben, aber nicht in diesem Ausmaß. Die historische Hitzeglocke, die in der vergangenen Woche über dem Nordwesten Nordamerikas lag, war gerade für ältere und geschwächte Menschen lebensgefährlich. Die Zahl der in British Columbia erfassten plötzlichen Todesfälle war während der fünf Tage extremer Hitze fast dreimal so hoch wie sonst und dürfte durch Nachmeldungen noch weiter steigen. Rund 300 Menschen mehr als sonst starben ohne vorhergehende Erkrankung, bei einer Bevölkerung von nur fünf Millionen.

Selbst in Deutschland kann man die Folgen sehr heißer Perioden an der Sterbestatistik sehen

Selbst in Deutschland, das von solcher Hitze bislang verschont blieb, kann man die Auswirkungen sehr heißer Perioden an der Sterbestatistik sehen. In jedem der vergangenen drei Sommer trat eine starke Hitzewelle auf, und stets war sie von einem deutlichen Anstieg der wöchentlichen Todeszahlen um einige Tausend Fälle begleitet; ein kausaler Zusammenhang ist zumindest naheliegend. Ein Jahrhundertsommer wie der des Jahres 2003, als in Europa geschätzt 30 000 bis 70 000 Menschen aufgrund der Hitze starben, könnte laut einer Analyse des britischen Met Office schon in den 2040er-Jahren normal sein. Diese Zahlen zeigen, wie sehr der Klimawandel auch in mittleren Breiten bereits schmerzliche Realität ist: weil er die Hintergrundtemperatur erhöht, vor der Hitzewellen auftreten, und mutmaßlich auch Wettermuster verändert, sodass sich Hitze länger festsetzen kann.

Es ist zu spät, um diese Entwicklung zu verhindern. Aber man kann Schadensbegrenzung betreiben, indem man die Emissionen so schnell und drastisch senkt, wie es irgend möglich ist. Und es ist höchste Zeit, sich anzupassen. Städte heizen sich besonders stark auf, dort können begrünte Dächer oder Fassaden, mehr Straßenbäume und Verdunstungsflächen helfen - übrigens zugleich ein Schutz gegen zunehmende Starkregenereignisse und ein Segen für die Natur. Auch Alarmsysteme, Kühlzonen oder Hitzeschutzpläne können sinnvoll sein, bessere Waldbrandprävention sowieso.

Die Welt hat es dreißig Jahre lang verschlafen, wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, dadurch ist diese Anpassung erst nötig geworden. Man sollte sie nicht mit der gleichen Trantütigkeit angehen.

© SZ
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