Hirnforschung:Mozart macht's möglich

Lesezeit: 1 min

Musizieren fördert die kognitive Entwicklung: Kinder, die ein Instrument lernen, haben einen größeren Wortschatz und können besser lesen. Ob man musikalisch ist, spielt dabei keine Rolle.

Christian Weber

Die Einsicht ist auf den ersten Blick wenig überraschend: Wer ein Instrument erlernt und regelmäßig musiziert, der entwickelt mit der Zeit ein deutlich besseres Gehör für die Feinheiten der Musik: Er kann Tonhöhe, Timing und Klangfarbe besser wahrnehmen als ein Nicht-Musiker.

Kinder - Geige - Violine

Für die kognitive Entwicklung von Kindern ist es am besten bereits früh mit dem Musizieren zu beginnen. 

(Foto: AFP)

Zugleich schlagen sich diese Fähigkeiten in der Struktur des Gehirns nieder, von dem man heute weiß, dass es bis ins Erwachsenenalter plastisch bleibt. Weniger bekannt ist jedoch, das der durch Musik verbesserte Gehörsinn auch die Entwicklung weiterer kognitiver Fähigkeiten fördert.

Das zumindest berichten Nina Kraus und Bharath Chandrasekaran von der Northwestern University in Illinois in einem Überblicksartikel im Fachmagazin Nature Reviews Neuroscience (Bd. 11, S.599, 2010).

Nach einer ausführlichen Sichtung der Forschungslage kommen die beiden Neurowissenschaftler zu dem Schluss, dass die Hörfähigkeiten von musizierenden Menschen auch ganz allgemein beim Verarbeiten von Sprache und akustischer Information helfen.

So täten sich Musiker unter anderem leichter, die Tonstrukturen von Fremdsprachen zu erlernen und gesprochene Sprache aus Umgebungslärm herauszufiltern - wichtig etwa in lauten Klassenzimmern. Kinder, die ein Instrument spielen, hätten zudem ein größeres Vokabular und könnten besser lesen.

Besonders ausgeprägt seien diese Vorteile, wenn Kinder vor dem Alter von sieben Jahren mit dem Musizieren beginnen sowie kontinuierlich und ausgiebig üben. Musikalisches Talent sei hingegen nicht übermäßig wichtig.

"Die Studienresultate deuten darauf hin, dass die Vorteile musikalischen Trainings für jeden erreichbar sind", kommentieren die Autoren. Deshalb sei es zwingend nötig, dass alle Kinder die Gelegenheit erhalten, ein Instrument zu lernen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema