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Raumfahrt:Japanische Raumsonde zapft Asteroid an

Raumsonde nähert sich Asteroiden

Die Computeranimation zeigt die japanische Raumsonde Hayabusa2 bei der Annäherung an den Asteroiden Ryugu.

(Foto: dpa)
  • In der Nacht auf Freitag hat die japanische Raumsonde Hayabusa2 den Asteroiden Ryugu besucht und Materialproben genommen.
  • Im kommenden Jahr wird die Sonde mitsamt dem gesammelten Material zu Erde zurückkehren.
  • Wissenschaftler erhoffen sich von der Mission Erkenntnisse über die Entstehung der Erde.

Um 23.49 Uhr Mitteleuropäischer Zeit ist es so gut wie vollbracht, im Kontrollzentrum in Sagamihara vor den Toren Tokios reißen Mitarbeiter die Arme hoch, Beifall kommt auf, wie im Livestream der japanische Raumfahrtbehörde Jaxa zu beobachten war. Es dauert dann noch gute 30 Minuten, bis alle Daten geprüft sind, bis sich alle im Kontrollraum sicher sein können: Eine unbemannte japanische Raumsonde hat soeben rund 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt Proben vom Asteroiden Ryugu genommen.

Hayabusa2 saugte zunächst Proben von der Oberfläche durch eine Art Rüssel auf. Das Material wurde zuvor durch den Beschuss mit einer Kugel aufgewirbelt. Weitere Proben sollen auf ähnlich spektakuläre Weise gewonnen werden: Ein sogenannter Impactor, ein zwei Kilogramm schweres Stück Kupfer, wird zusammen mit einer Sprengladung abgeworfen und auf den Boden geschossen. Dadurch entsteht ein künstlicher Krater.

Damit erfüllt der Impactor die gleiche Funktion wie das Hämmerchen eines Geologen auf der Erde. Dieser erfahre erst durch Zerschlagen eines Steins Genaueres über dessen Beschaffenheit, sagt Ralf Jaumann, Planetenforscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Aufgrund der sehr geringen Gravitation auf Ryugu - nur ein 60.000stel der Erdanziehungskraft - fällt der Impactor so langsam, dass die Raumsonde zum Schutz vor wegfliegendem Gestein auf die andere Seite des Asteroiden gelangen kann. Danach kehrt Hayabusa2 zurück und nähert sich dem Asteroiden bis auf wenige Meter, sodass sie erneut Proben aus dem geschlagenen Loch aufsaugen kann. Es handle sich also nicht um Landungen im eigentlichen Sinne, sondern eher um "Touchdowns", sagt Jaumann.

Daten für die Abwehr von Asteroiden

Ryugus Umlaufbahn um die Sonne liegt nah an jener der Erde. Daher gehört er zu einer Gruppe von Asteroiden, die auch der Erde gefährlich werden könnten. Würde ein solcher Himmelskörper auf die Erde zurasen, würde es wenig bringen, ihn zu beschießen, erklärt Jaumann. Denn das würde lediglich dazu führen, dass mehrere kleine Bruchstücke mit der gleichen Energie auf die Erde zufliegen.

Vielmehr müsste man einen potentiell bedrohlichen Asteroiden über einen längeren Zeitraum von seiner Bahn ablenken. Dafür ist es wichtig, dessen Zusammensetzung zu kennen. Für dieses Szenario liefert die Hayabusa2-Mission wertvolle Daten. Außerdem ist Ryugu in etwa so alt wie die Erde. Während sich diese aber durch geologische Vorgänge verändert hat, hat der Asteroid vermutlich immer noch in etwa die gleiche Form wie bei seiner Entstehung. Daher gibt er auch Aufschluss über die Entstehung unseres Planeten.

Im kommenden Jahr soll die Sonde zur Erde zurückkehren. Ihr Vorgänger-Modell hatte bereits 2010 zum ersten Mal Bodenproben eines Asteroiden zur Erde gebracht. Hayabusa2 startete im Dezember 2014 in Japan und erreichte nach fast vier Jahren im All Ende Juni vergangenen Jahres ihr Ziel. Seitdem umkreist sie mit Ryugu zusammen die Sonne.

Seinen Namen hat der Asteroid vom Unterwasserpalast eines Drachenkönigs, der in der japanischen Überlieferung vorkommt. Hayabusa2 hatte auf seinem Weg zu dem Asteroiden noch andere Messgeräte dabei. Eins davon ist der vom DLR und der französischen Raumfahrtagentur CNES entwickelte Roboter "Mascot". Er war im vergangenen Oktober auf dem Asteroiden gelandet und hatte diesen mehrere Stunden lang erkundet - bis seine Batterie erloschen war. Während "Mascot" auf Ryugu bleibt, geht die Mission der Sonde Hayabusa2 nun weiter.

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