Haustiere Gentests für Hunde sind für die Katz

Auch eine DNA-Analyse wird die Abstammung dieser Tiere wohl nicht zweifelsfrei klären.

(Foto: dpa)
  • Seit ein paar Jahren können Hundebesitzer anhand von DNA-Analysen bestimmen, von welchen Rassen ihr Hund abstammt.
  • Die Tests sollen außerdem bestimmte Krankheiten vorhersagen und die Ernährung optimieren.
  • Tiermediziner warnen jetzt vor den Gentests. Die Analysen der Abstammungslinie und möglicher Krankheiten seien wissenschaftlich kaum fundiert.
Von Kathrin Zinkant

Es gibt wohl nicht wenige Hundebesitzer, die sich wünschen, ihr treues Tier könne wenigstens manchmal sprechen. Sagen, warum es schlapp in der Ecke liegt, erklären, warum es sich standhaft weigert, Stöckchen zu holen, oder berichten, wer die Eltern eigentlich waren. Oft lässt sich über all das nur spekulieren.

Doch wo der Hund schweigt, sprechen vielleicht die Gene. Seit ein paar Jahren können Hundebesitzer anhand von DNA-Analysen Licht in die dunkle Vergangenheit ihrer Vierbeiner bringen. Das klingt zunächst einleuchtend. Doch wie drei amerikanische Tiermediziner jetzt in der Zeitschrift Nature berichten, sind Gentests für Hunde eigentlich ein ziemlicher Unsinn. Und das, obwohl man solche Tests doch längst auch beim Menschen macht.

Ob des Hundes Gene krank machen oder nicht, ist meist noch nicht hinreichend überprüft

Wie kann das sein? Die zumeist über das Internet vertriebenen Kits zur Probennahme ähneln tatsächlich denen, die neuerdings für menschliche Abstammungsanalysen genutzt werden. Es kommt ein Paket, die beigelegten Wattestäbchen werden an der Innenseite der Lefzen gerieben, in die Röhrchen gesteckt und in ein Labor geschickt. Abstammungen lassen sich dort durch sogenannte Polymorphismen nachverfolgen. Das sind Marker im Erbgut, die auf zugehörige Genabschnitte verweisen. Gendefekte findet man anhand der Gene selbst.

Nach einigen Wochen erhält der Hundehalter die bestellte Erbgutanalyse seines treuen Freundes. Die Detailtiefe hängt davon ab, ob nur die Rassenzusammensetzung oder auch ein rigoroser Gesundheits-Check gewünscht ist. Für Letzteres stöbert das Labor mehr als 150 angeblich bekannte "Krankheitsgene" im Hundegenom auf. Ernährungspläne und rassentypische Spiele werden von einigen Anbietern ebenfalls mitgeliefert.

Billig ist das alles nicht. Je nach Größe der Datenbank, mit der Wauwaus Speichel abgeglichen wird, müssen die Hundehalter um die 100 Euro für eine Rassebestimmung ausgeben. Ein Screening auf Krankheitsgene ist deutlich teurer. Doch für ihre Tiere erscheint den Menschen in den Wohlstandsnationen kaum etwas zu kostspielig. Der Wunsch nach optimaler Tiergesundheit beschert weltweit mindestens 19 Anbietern von Hunde-Gentests Umsatz. Auch aus Deutschland mehren sich die Bestellungen.

Es wurden schon Hunde aufgrund eines DNA-Tests eingeschläfert

Das Problem ist, dass sowohl die Rasseanalysen als auch die genetische Krankheitsdiagnostik bei Hunden auf wissenschaftlich dünnen Beinen steht. So monieren die US-Veterinäre in Nature, es gebe zwar mehr als 200 Kandidatengene, die mutmaßlich in einem Zusammenhang mit Erkrankungen stehen könnten. Ob sie es tun, sei aber so gut wie nie zureichend geprüft. "Einige Anbieter publizieren Fallstudien anhand einiger weniger Hunde - aber nichts in der Größenordnung, die für statistisch zuverlässige Ergebnisse nötig wäre", schreiben die Tierärzte. Es seien sogar schon Hunde aufgrund eines DNA-Tests vorzeitig eingeschläfert worden.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht, wenn zum Beispiel nur auf eine Genvariante getestet wird, es aber tatsächlich drei gibt. So sind für das Gen ABCB1 drei Mutationen bekannt, die den Hund überempfindlich für verschiedene Medikamente werden lassen, gesucht wird aber oft nur eine - und womöglich ja die falsche. Und schließlich kritisieren die Fachleute, dass Anbieter mit ihrer Interpretation der Daten eigene Interessen verfolgen. Passendes Spezialfutter und medizinische Behandlungen erhöhen den Gewinn.

Die Schlampigkeiten bei der Rassenunterscheidung kann man da fast noch mit Humor nehmen. Sie entsteht fast zwangsläufig, weil bislang keine der verfügbaren Datenbanken alle 800 bekannten Hunderassen verzeichnet und zum Teil unterschiedliche Datensätze für einen Vergleich herangezogen werden. Doch ob der aus Spanien mitgebrachte Straßenhund nun zu 25 Prozent ein Chihuahua ist und deshalb nicht Stöckchen holt - was bedeutet das schon, wenn man das Tier erst einmal lieb gewonnen hat.