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Architektur:Alles gehört allen

100 Erwachsene und 40 Kinder leben heute in Tempelhof, Tendenz steigend. Als alles begann, 2010, waren es gerade mal 20, die ihren Traum von einem selbstverantwortlichen und nachhaltigen Leben verwirklichen wollten. Aus dem leer stehenden Schloss samt Wohnhäusern, Werkstätten, Gewerbeflächen und Mehrzweckhalle sowie 26 Hektar Agrarland hat sich in nur fünf Jahren ein lebendiges kleines Dorf mit Kindergarten, Schule, Laden und Café entwickelt.

Earthship/Schloss Tempelhof

Gemeinsam anpacken: Das Baumaterial ist Erde. Und alte Autoreifen.

(Foto: Earthship/Schloss Tempelhof)

Alles gehört allen, Entscheidungen werden basisdemokratisch in der Dorfversammlung gefällt. "Privatbesitz wird immer weiter reduziert", sagt Stefanie Raysz, für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinschaft zuständig. "Wir teilen immer mehr." Von der Waschmaschine über den Rasenmäher bis zum Auto. "Das macht flexibel." Auch im Kopf.

Fragen wie den Umgang mit Elektronik werden gemeinsam diskutiert. Es gibt schnelles Internet, aber kein WLAN, es gibt Handys, aber ein Handyverbot in der Kantine. "Die Frage ist für uns immer, bis wohin uns moderne Technik unterstützt und wo sie unsere Werte untergräbt", sagt Stefanie Raysz. Auch wenn die Deutschen immer häufiger alleine leben - 40 Prozent aller Haushalte sind Single-Haushalte, hat das Bundesumweltamt kürzlich gemeldet - das Interesse an neuen Formen des Zusammenlebens wächst, so ihre Erfahrung. Monat für Monat kommen Leute aus ganz Deutschland nach Schloss Tempelhof, um die Zukunftswerkstatt kennenzulernen. Manche, wie Max Thulé und seine Familie, bleiben.

© SZ.de/fehu/rus
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