Kommentar:Ein Elefant als Person

Alltag in Indien

Arbeitselefant in Indien.

(Foto: Anupam Nath/dpa)

Amerikanische Tierschützer wollen für einen Zoo-Elefanten den Anspruch auf Freiheit erstreiten. Warum auch Tiere Grundrechte bekommen sollten.

Kommentar von Tina Baier

Der Mensch ist ein seltsames Tier. Er baut Wolkenkratzer, fliegt zum Mond und verständigt sich in hochkomplexen Sprachen. Aus seinen zugegebenermaßen beeindruckenden Fähigkeiten leitet er den Anspruch ab, besser zu sein als alle anderen Lebewesen und mehr Rechte zu haben. Auch das Recht, andere Tiere und den ganzen Planeten schlecht zu behandeln.

In Zeiten von Klimawandel und Artensterben wäre es an der Zeit, sich endlich von dieser anthropozentrischen Sichtweise zu verabschieden. Zum Beispiel wäre es angebracht, auch juristisch anzuerkennen, was wissenschaftlich längst erwiesen ist: Dass nicht nur Menschen Individuen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten sind, die Gefühle haben und mit anderen mitfühlen, sondern auch viele Tiere. Die logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis wäre, Tiere auch juristisch als Personen anzuerkennen und mit entsprechenden Rechten auszustatten.

Nach einem Sieg vor Gericht könnten auch andere Tiere Grundrechte einfordern

Genau das versuchen amerikanische Tierschützer gerade exemplarisch für die Asiatische Elefantenkuh Happy vor Gericht durchzusetzen. Happy lebt seit Jahrzehnten alleine im Zoo der New Yorker Bronx - ohne Kontakt zu anderen Elefanten. Würde Happy als juristische Person anerkannt, könnte sie (beziehungsweise ihre menschlichen Vertreter) einen Anspruch auf Freiheit geltend machen. Es wäre unrechtmäßig, sie weiter im Zoo festzuhalten, sodass sie ihre letzten Lebensjahre auf einem Gnadenhof in Gesellschaft anderer Elefanten verbringen könnte. Nach allem, was man über Elefanten weiß, wäre das ein Happy End für Happy: Elefanten sind extrem soziale Tiere, die in Familien leben. Sie stehen in ständigem Kontakt, berühren oder rufen einander, und wenn ein Mitglied der Familie stirbt, trauern sie.

Für den Tierschutz wäre ein Sieg im Fall Happy aber auch deshalb ein großartiger Erfolg, weil die Konsequenzen weit über das Einzelschicksal der Elefantenkuh hinausgehen würden. Auch andere Tiere könnten dann vor Gericht Grundrechte einfordern: neben denen auf Leben und Freiheit etwa auch das, nicht gefoltert zu werden oder anders ausgedrückt: lebewesengerecht behandelt zu werden.

Tiere als juristische Personen anzuerkennen, könnte sogar den Impuls geben, den Umgang des Menschen mit anderen Lebewesen endlich grundsätzlich zu überdenken. Davon würde letztlich auch der Mensch profitieren. Wie wir mit der Natur und ihren Bewohnern umgehen, ist nämlich längst keine rein ethische Frage mehr. Artensterben und Klimawandel zeigen, dass es um die Existenz geht.

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