Hamburg (dpa/lno) - Trotz der Corona-Kontaktbeschränkungen rufen eine Reihe von Initiativen und die Universität Hamburg zum Gedenken an die Novemberpogrome vor 82 Jahren auf. Am 10. November 1938 hatten Kommandos der nationalsozialistischen Parteimiliz SA Geschäfte von Juden zerstört und mit Parolen beschmiert. Sechs jüdische Gotteshäuser, darunter die später zwangsweise abgerissene Hauptsynagoge im Grindelviertel, wurden nach Angaben von Historikern beschädigt.
Mindestens 1000 Hamburger Juden seien verschleppt worden. Viele von ihnen kamen in die Konzentrationslager Fuhlsbüttel und Ravensbrück bei Fürstenberg (Brandenburg), wie der Historiker Ortwin Pelc sagte. Meist seien sie nach zwei Wochen als gebrochene Menschen zurückgekommen und hätten versucht, Deutschland zu verlassen. Genaue Angaben zu den damaligen Ereignissen seien schwierig, weil die SS im März 1945 mit der Vernichtung aller Akten begonnen habe.
Nach einem Angriff auf einen jüdischen Studenten vor der Synagoge an der Hohen Weide Anfang Oktober diesen Jahres hatte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) die Absicht bekräftigt, die Synagoge am Bornplatz (heute: Joseph-Carlebach-Platz) wieder aufzubauen. Er erklärte, es gehe darum, jüdisches Leben in der Stadt „zur Normalität werden zu lassen, erfahrbar zu machen auch für diejenigen, die nicht jüdisch, aber interessiert sind“. „Dazu gehört der Wiederaufbau der im Nationalsozialismus zerstörten Synagoge am Bornplatz.“
Der Senat versicherte kürzlich, er unterstütze die Jüdische Gemeinde Hamburg bei der Beantragung von Fördergeldern, die für eine Machbarkeitsstudie zum Wiederaufbau gebraucht werden.
Am Ort der zerstörten Synagoge finden am Montag zwei Mahnwachen statt, zu denen der Akademische Senat der Universität und die Initiative Grindel leuchtet aufrufen. Auf dem Platz wurde im Krieg ein Hochbunker errichtet, der heute als Gebäude von der Hochschule genutzt wird.
Der Akademische Senat erklärte in seinem Aufruf, dass sich die Hamburger Hochschullehrer damals mehrheitlich dem faschistischen Regime angedient hätten. Er wies zugleich darauf hin: „Dabei gab es auch im universitären Rahmen Widerstand gegen die Faschist:innen. So riefen auch in Hamburg Mitglieder der Weißen Rose durch aufklärerische Flugblätter zum Widerstand auf und trugen so zur Befreiung vom Faschismus bei.“
