AKW Hamaoka in Japan "Natürlich haben wir Arbeiter Angst vor einem Erdbeben"

Fröstelnd kehren einige Surfer auf den Parkplatz zurück. Befürchten sie, ihre raue Idylle zu verlieren? Bis vor drei Jahren konnte man auch unweit von Fukushima surfen. Einer antwortet: "Was soll ich sagen, ich arbeite im Kraftwerk." Bei Vollbetrieb beschäftigte das Kraftwerk 3000 Menschen. Man müsse froh sein, Arbeit zu haben. "Natürlich haben wir Arbeiter Angst vor einem Erdbeben."

Der Besucherpavillon von Hamaoka ist einem Reaktor nachempfunden, hier wirbt der Betreiber um Vertrauen in seine Technik. Gerade hat man mit dem Bau eines gigantischen Tsunami-Schutzwalls begonnen, 1,6 Kilometer lang, 22 Meter hoch. 40 000 Tonnen Stahl werden verbaut. Sollten die Fluten den Wall überwinden, schalten sich energieautonome Pumpsysteme ein. Bis vor drei Jahren war es tabu, von Notfallmaßnahmen in Atomkraftwerken überhaupt zu reden - meist gab es gar keine -, jetzt macht der Besucherpavillon Schüler-, Rentner- und Beamtengruppen mit jedem ihrer Details vertraut. Im Pavillon funktionieren sie reibungslos.

Ein Tsunamiwall soll den Fluten trotzen

Wer 40 000 Tonnen Stahl verbaut, rechnet damit, diese Kosten wieder einzufahren. Oder will Chubu Electric vollendete Tatsachen schaffen? Die Nachrüstung des Kraftwerks wird umgerechnet mindestens 2,5 Milliarden Euro kosten. Der Betreiber scheint nicht daran zu zweifeln, dass das gefährlichste Kernkraftwerk der Welt wieder eine Betriebsbewilligung erhält. Doch das Unternehmen hält sich auch andere Optionen offen.

Auf den Klippen, hinter dem Leuchtturm, stehen bereits einige Windmühlen, weitere werden gebaut. Und neben dem wuchtigen Besucherpavillon wirbt ein bescheidenerer Neubau für erneuerbare Energien. Bisher ist ein Zehntel der neuen Tsunami-Mauer gebaut. Im aufziehenden Nebel wirkt sie wie eine überdimensionierte mittelalterliche Wehrburg.

Der surfende AKW-Arbeiter hat sich abgetrocknet und angezogen. Im geheizten Auto sagt er: "Dieses Jahr werden die Reaktoren garantiert noch nicht angefahren, nächstes Jahr auch nicht. Das dauert noch lange."